Krise? Welche Krise?

:Die CeBIT boomt wie eh und je.

Von Roland Schäfer

Wer da meinte, angesichts der momentanen weltweiten Flaute der Computerindustrie und IT-Börsen wären die Wachstumsprediger von einst nun im Büßergewand ins Hannover’sche gezogen (oder der CeBIT gar komplett ferngeblieben), der wurde eines besseren belehrt: Besucher- und Ausstellerrekorde fielen wie gewohnt, der Optimismus der Branche erschien ungebrochen, und technologische Überraschungen gab’s zuhauf, wie unsere CeBIT-Nachlese weiß.

Vorab ein Hinweis: Die Neuigkeiten der CeBIT für Digital Video waren so zahlreich, daß ein eigenes Sonderheft nicht gereicht hätte. Daher finden Sie sie in tabellarischer Form am Ende dieses Artikels, weitere Infos im Netz (Adressen s. Herstellerhinweise).

Eine der wirklichen Neuvorstellungen der CeBIT 01 hatte mit Digital Video zunächst mal überhaupt nichts zu tun. Normalerweise läuft die Marketingmaschine der Branche ja so: Kaum hat einer der selbsternannten Techno-Gurus aus Silicon Valley einen zusätzlichen Button erfunden oder ein Detail optimiert, schon tönt die Werbung vom "Paradigmenwechsel" in dieser Anwendung, zumindest aber von einer "Revolution". Hier haben wir eine Neuheit für Sie, die diesen Namen endlich mal verdient. Sie heißt "Atmosphere" und stammt vom Publishing- und Nachbearbeitungsspezialisten Adobe. ein Offline-Baukasten für interaktive, dreidimensionale "Welten" fürs Internet. Ehe wir es hier langatmig erklären: Unter www.adobe.com/products/atmosphere/main.html finden Sie eine kostenlose Betaversion zum Herunterladen. Für Online-Shopping und e-Commerce, für virtuelle Anwendungen und natürlich besonders für alle Online-Spiele (Lara Croft "in echt") eröffnet Atmosphere neue Geschäftsmodelle. Wenn Sie uns fragen: Es wird überall sein.

 

Camcorder: DV, D8, DVD

Bei Sony hatten es DV-Filmern besonders die neuen DV-Camcorder angetan. DCR-TRV15, -17 und -30 haben äußerlich vieles vom Design gemein und innerlich zahlreiche Features. Ansonsten gab’s D8-Modelle zuhauf (s. Tabelle).

Zum Thema Streaming steuert Sony ebenfalls zwei Produkte bei. Die Streaming-Netzwerk-Station SNT-V304 sowie die USB-Web-Kamera CMR-PC1 (wiegt nur 45 Gramm). Highlights an der Camcorder-Front waren ansonsten die MV 400/430/450 von Canon Euro-Photo (Vorstellung s. bereits CeBIT-Vorbericht im letzten Heft), die Hitachi DZ-MV100 (der 1. DVD-Camcorder der Welt, Test im nächsten Heft), die JVC GR-DVP1 und DVP3 (wieder einmal der "Kleinste DV-Camcorder der Welt", außerdem hat er mit 1,92 Megapixeln die höchste Standbildauflösung aller DV-Camcorder), die Panasonic NV-DS27/28/37/38 sowie die Sharp VL-ME100S mit abnehmbarem LCD-Screen. All diesen Modellen werden wir uns in den nächsten Heften noch ausführlicher widmen.

 

Nachbearbeitungs-News

Besucher, die sich der Nachbearbeitung von Video und der "Content Creation" verschrieben haben, konnten zahlreiche große wie kleine Neuerungen bestaunen. AIST beispielsweise zauberte ein neues Programm namens Movie3D aus dem Hut, das das Compositing nun tatsächlich einfach und für jedermann anwendbar zu machen verspricht -- für nur 400 Mark. Damit erstellte Objekte und Animationen -- benutzt werden u.a. Highend-Techniken wie NURBS, Bones, SDS etc. -- lassen sich zudem in die Videoschnittlösung MoviePack einbinden, welches seinerseits in Version 4.0 vorgestellt wurde; sie zeichnet sich durch mehr Komfort in der Bedienung und zusätzliche Plugins aus. Ansonsten gab AIST eine Kooperation mit Sound-Profi Steinberg ("Cubase") bekannt, die sich in gegenseitigen Produktbundlings niederschlagen soll.

Wie bereits berichtet, vermarktet Avid seine Highend-Schnittlösung Xpress DV jetzt auch (dank Canopus-Codec) als reine Softwarelösung für Laptops. In Hannover wurde die Version 2.0 auf diversen Notebooks vorgestellt, die durch eine Reihe neuer Features den Editing-Workflow noch flüssiger gestaltet. Canopus selbst hatte MediaEdge mitgebracht, ein netzwerkbasiertes MPEG-1/-2-Video-Distributionssystem. Darin ist ein MediaEdge-Server mit zahlreichen Settop-Boxen über LAN verbunden und liefert MPEG-Streams in zahlreichen Auflösungen an Video-on-Demand- oder Live-Anwendungen in Firmen, Hotels, Museen oder auf Flughäfen zu. Die Einsteiger-Schnittlösung EZ DV hat in der neuen Version Pro/AM jetzt Adobe Premiere 6.0, den "Speedcontroller" (für Zeitlupe- und Raffer), ein Streaming-Modul, die DVD-Autorensoftware Spruce-Up sowie die 3D-Effektsoftware Softxplode gebundelt. Von Matrox und Pinnacle Systems kamen ebenfalls zahlreiche Neuigkeiten (s. News).

An der Front der Personal Video Recorder (PVR, s. Übersicht in CV 6/00 sowie Pinnacle-News vorn auf S. 8 u.a.) sind jetzt die ersten Produkte verfügbar. Mit der PC/TV-Lösung "tv4me" versucht Dazzle, mit günstigem Preis (DM 649,--) und dem Internet-EPG www.tvtv.de vollendete Tatsachen zu schaffen. Das Funktionsprinzip: Eine Tuner-PCI-Steckkarte im PC dekodiert das Antennensignal, speichert es zwecks zeitversetztem Senden als MPEG-2-Signal auf der PC-eigenen Festplatte und schickt es dekodiert via Scartkabel an den Fernseher. Dort steuert der Anwender per Fernbedienung, On-Screen-Menü und einen Infrarot-Empfänger, der ebenfalls per Kabel an der Steckkarte, die Programmfunktionen (Time Shift, Pause des Live-Fernsehprogramms, Instant Replay etc.). Über den EPG tvtv.de und Modem kann tv4me von jedem Browser aus fernprogrammiert werden.

 

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