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Stell dir vor,
es ist CeBIT...

... und keiner geht hin: Messenachlese 2003

Von Martin H. Schmitt und Roland Schäfer

Wenn’s ja nicht alles so traurig wäre, könnte man der Krise viele gute Seiten abgewinnen. Ideale Bedingungen fand zum Beispiel vor, wer sich Mitte März auf den Weg zur CeBIT nach Hannover machte: strahlende Sonne, staulose Zufahrt zum Messegelände, kein Gedränge in den Hallen, freundliche Mitarbeiter an den Ständen mit aller Zeit der Welt. Kein Vergleich jedenfalls zum Nahkampf früherer Jahre -- fast kam man sich vor wie im falschen Film.


Sag mir wo die Menschen sind, wo sind sie geblieben: Ganze 26.000 Besucher und 700 Aussteller sind verschwunden, und zwar aus den offiziellen Statistiken der Deutschen Messe AG. Weil uns die Arithmetik der DMAG spanisch vorkam, haben wir mal in unseren alten Unterlagen nachgeschaut. Nach der CeBIT 2002 hatte die DMAG die Besucherzahl noch mit 700.000 angegeben (was bereits einen Einbruch von knapp 20 Prozent gegenüber dem Rekordjahr 2001 darstellte), die Ausstellerzahl mit 7.964. Im Nachbericht zur diesjährigen CeBIT ist plötzlich für 2002 von nur noch 674.000 Besuchern und 7.264 Ausstellern die Rede. Hmm... Entweder hat sich da 2002 jemand in der Tat gewaltig verzählt ... oder jemand hat ein wenig nachgeholfen, damit der Sturz auf 2003 nicht so hoch erscheint. Denn 2003 kamen offiziell nur noch 560.000 Besucher und 6.526 Aussteller. Wie dem auch sei: In nur zwei Jahren hat die CeBIT demzufolge etwa ein Drittel ihrer Besucher und 20 Prozent der Aussteller verloren. Als Gründe hat die DMAG den Irakkrieg ausgemacht, der für den Rückgang besonders der Besucherschaft aus den USA und Asien verantworlich sei. Bei den Ausstellern haben allerdings China und Taiwan deutlich zugelegt (+81 bzw. +11 Prozent), während aus den kriegführenden USA und Großbritannien jeweils etwa ein Viertel weniger kam. Den zahlenmäßig größten Einbruch erlitten die deutschen Aussteller: 738 weniger als im Vorjahr (minus 15 Prozent) – die Pleitewelle läßt grüßen.

Dabei standen ansonsten alle Signale auf Grün. Wie schon in unserer letzten Ausgabe berichtet, hat die Messegesellschaft ihre langjährige Blockadepolitik gegenüber der Unterhaltungselektronik aufgegeben (in der Not frißt der Teufel bekanntlich Fliegen), und so wuchs auf CeBIT 2003 endlich zusammen, was zusammen gehört. Noch nie war auf einer IT-Messe so viele Braune Ware zu sehen, und Ausstellern zufolge hat sich diese Strategie absolut bewährt.

Die großen Trends hatte schon der CeBIT-Vorbericht in CV 2/03 identifiziert: DVD-Camcorder stehen kurz vor dem Durchbruch in den Massenmarkt (s. Geräte von Sony, Panasonic und Hitachi), echte Kombinationen aus DV-Camcorder und digitaler Fotokamera sind im Anmarsch (Samsung), bei den DVD-Recordern sind Dual- oder gar Triple-Standard Geräte mit 4x-Speed der Stand der Dinge, und neue DV-Camcorder erscheinen mittlerweise quasi täglich. Ergänzend zum CeBIT-Vorbericht und den News in dieser Ausgabe stellen wir noch einige weitere Neuheiten kurz vor.

 

Hitachi DVD-Camcorder

Hitachis kam mit gleich zwei neuen DVD-Camcordermodellen nach Hannover, der DZ-MV350 und der DZ-MV380. Beide zeichnen in MPEG-2 auf DVD-RAM und DVD-R auf. Während die RAM-Scheibe beidseitig bespielbar ist und 36 Minuten Video in höchster Qualitässtufe faßt (maximal 9Mbit/s), sind es bei der DVD-R immerhin noch 30 Minuten. Ein Disk-Navigationssystem mit Indexdarstellung erlaubt den direkten Zugriff Ausblendungen und Wischblenden zwischen den Takes lassen sich im DVD-RAM-Betrieb ebenso wie die Reihenfolge der Szenen direkt auf der Scheibe herstellen oder ändern. Über USB 2.0 gelangt das Videomaterial in den PC, eine Firewire-Schnittstelle sucht der Anwender hingegen vergeblich. S-Video und FBAS-Ausgänge und eine Flash-Memory-Card (für Fotos bis 1.280 x 960 Pixel) runden die gerade mal 560 Gramm leichte DZ-MV380 ab (kommt im Mai für 1.499 €). Die DZ-MV350 (ohne Fotofunktion) ist bereits für 1.299 € erhältlich. Übrigens: Der Verkaufsstart für die DVD-Camcorder von Sony und Panasonic findet voraussichtlich erst zur IFA statt.

Sharp stellte ebenfalls zwei neue Camcorder vor, freilich für Mini-DV. Die Viewcam-Modelle VL-Z 7S und VL-Z 5S ermöglichen eine Free-Angle-Einhandbedienung: Objektiv-/Suchereinheit und die Aufnahmeeinheit lassen sich unabhängig voneinander bis zu einem Drehwinkel von 225 Grad verdrehen. Der Aufnahmechip der VL-Z 7S löst 1,3 Millionen Bildpunkte auf, jener der VL-Z 5S lediglich 800.000. Ein digitaler Bildstabilisierer ermöglicht zitterfreie Bilder. Eingebaut sind ferner ein optisches 10x-Zoom (500x digital) sowie bei der VL-Z 7S eine Fotofunktion mit SXGA-Auflösung (1.112 x 864), bei der abgespeckten VL-Z 5S lediglich mit VGA-Auflösung (640 x 480). Beide Camcorder sind mit Firewire-, SVHS- und FBAS- Ein- und Ausgängen bestückt (1.149 € bzw. 999 €, im Fachhandel). .

JVC stellte auf der CeBIT eine komplett neue DV-Kameraflotte vor. Das neue High Definition-Modell, die GR-HD1, kennen Sie bereits aus unserem Vorbericht. Aller Voraussicht nach wird es davon zur IFA zwei Versionen geben, ein Consumermodell mit Standard Definiotion, ein gehobenes mit HD. Darüber hinaus wurden die bereits erhältlichen Modelle der Einsteigerserie GR-D im Preis gesenkt; die GR-D20E ist nun schon für 599 € zu haben, die GR-D70E kostet 849 €. Die GR-DX300E ist Flagschiff der Kompaktklasse, die insgesamt acht Hochkant-Modelle umfaßt. Ein 1,33 Megapixel-CCD-Chip liefert 540 Linien Auflösung und erlaubt Standbilder bis 1.600 x 1.200 Pixel (Aufnahme auf SD-Card). Eine Software, die auch den Webcam-Einsatz bzw. die Erstellung von VideoCDs ermöglicht, wird mitgeliefert. AV- und DV Ein- und Ausgänge hat die GR-DX300E außerdem.

100 € weniger als ursprünglich angekündigt kostet nun JVCs neues Topmodell GR-DV4000E. Für 1.399 € liefert JVC einen Alleskönner mit manuellen Einstellmöglichkeiten für Fokus, Belichtung, Blende und Weißabgleich sowie einer quadratischen Gegenlichtblende gegen Streulichteinfall. Das Zoom vergrößert optisch 10-fach, digital gar 300-fach. Der 1,33-Megapixel-Chip liefert Standbildern bis 1.600x1.200 Pixel, eine NightScope-Funktion sorgt für Bilder bei Dunkelheit, wenn man nicht den aufklappbaren Blitz benutzen möchte. Mit der mitgelieferten Video CD-Creation Software können die Fotos und MPEG-1-Videos via USB zum Rechner übertragen werden. MPEG-4-Filme werden auf SD-Karte aufgezeichnet. Alle Analog- und Digitaleingänge sind freigeschaltet.

Sony DCR-PC103/105

Kurz vor Redaktionsschluß erreichten uns noch zwei neue DV-Camcorderchen von Sony, die es nicht auf die CeBIT geschaftt hatten. Die Hochkant-Handycams DCR-PC105 und DCR-PC103 wiegen nur 460 bzw. 440 Gramm. Ihr MegaPixel HAD CCD löst 1.070.000 Pixel auf, und das Vario Sonnar Objektiv von Zeiss hat ein 10x optisches Zoom (120fach digital). Mit der weiterentwickelten ImageMixer-Software können Videofilme per USB übertragen und auf CD-R gebrannt werden. Wer ein VAIO mit integriertem DVD-Brenner hat, kann sie zudem per "Click to DVD"-Software 1.2 direkt auf DVD brennen.

Die Befehle werden über das Touch Panel des 2,5 Zoll großen LC-Displays eingegeben. Implementiert sind ferner die Funktionen Spot Focus und Spot-Meter (s. Sony-Tests ab S. 24). Ein verbesserter 16:9-Modus mit vergrößertem Weitwinkelbereich nutzt nun 30 Prozent mehr Pixel als im herkömmlichen 16:9-Modus. Softwareseitig sind sechs Programmautomatiken, Super Steady Shot, Super Night Shot, MPEG Movie EX-Funktion und USB Webcam/Streaming realisiert. Während die PC105 Schnappschüsse auf MemoryStick festhält (Auflösung 1152 x 864 Pixel), fehlt der kleineren Schwester der Slot, sie nimmt Fotos lediglich auf Band auf (640x480). Ein intelligenter Blitz rundet die Fotofunktion der DCR-PC105 ab. Neben USB verfügen beide über i.Link, nur bei der PC105 funktioniert die Schnittstelle auch als DV-Eingang. Analoge Ein- und Ausgänge hat sie ebenfalls. Beide sind im Juni lieferbar (PC103 zu 1.050 €, PC105 zu 1.350 €).

 

Zum CeBIT-Vorbericht mit zahlreichen weitere Neuheiten

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