| Alles für
jeden: Wird die CeBIT zum Gemischtwarenladen?
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(Voller Artikel mit allen Bildern im
aktuellen Heft)
Klassische IT und Unterhaltungselektronik, Wireless LAN und DVD-Recorder, Minifestplatten und MPEG4-Kameras, Video Home Server und Streaming-Services ... : Die Liste der Neuheiten der CeBIT aus allen Bereichen ließe sich endlos fortsetzen. Die Gefahr: Sie droht in Beliebigkeit zu versinken. Unser Vorberichterstatter pflügte sich durch eine Flut von Ankündigungen.
Aus der Not eine Tugend machte der Betreiber Deutsche Messe AG im letzten Jahr, als er die CeBIT, größte IT-Messe der Welt, für Geräte der Unterhaltungselektronik (UE) öffnete. Die Not war entstanden, weil durch die Ausgrenzungspolitik der Braunen Ware und allgemein knappe Kassen immer mehr Firmen der Messe fernblieben der CeBIT liefen die Aussteller weg. Der Streit war im Vorjahr 2002 eskaliert, als die Messeinspektoren auf Anschwärzung von Konkurrent Microsoft hin die Spielekonsole PlayStation vom Sony-Messestand abräumen ließen. Von solch rüdem Verhalten ist 2004 keine Rede mehr: Hofiert wird nun alles, was Strom frißt, und geht die Entwicklung so weiter, werden wir uns für 2005 wohl auf Waschmaschinen und Espressoautomaten einrichten müssen...
Zwangsläufig steht die CeBIT 2004 somit nicht unter einem Trend, sondern unter allen: Jedes Unternehmen deklariert den Sinn und Zweck seiner Produkte flugs zum Leitmotiv der gesamten Branche, und so gehen die wahren Neuheiten noch leichter unter als in früheren Jahren. Der gleichen Logik zufolge wird aus minimalen Verbesserungen immer gleich eine Revolution, und es ist auch diesmal wieder zu befürchten, daß der Revolutionslärm vieler Stände eine Verständigung unmöglich machen wird. Der abgeklärte Messebesucher nimmts gelassen, bereitet seinen Hannover-Ausflug gut vor (s. Kasten) und arbeitet sich durch die CV-Neuheitenliste.
Camcorder: Neue Vielfalt
Fangen wir mit den Camcordern an: Wo in den letzten Jahren weitestgehend DV-Monokultur herrschte, belebt jetzt die Konkurrenz der Technologien das Geschäft. Neue Impulse kommen beispielsweise von den DVD-Camcordern; hier stellt Hitachi mit der DZ-MV550E und der DZ-MV580E die mittlerweile 4. Generation vor (lieferbar ab April). Sie hat ein ergonomischeres Design, eine Quick-Menü-Option für einfachere Bedienung, USB 2.0 und Vorbild Handy läßt grüßen austauschbare Cover in verschiedenen Farben. Wie bei den nahezu baugleichen Panasonic-Zwillingen (s.S. 8/9) hat das kleinere Gerät (die MV550) den größeren, nämlich 18x optischen Zoom (die 580er nur 10x).
Ganz neu hinzugekommen ist die Kategorie zwergenhafter MPEG4-Kombi-Corder wie die Sanyo Xacti C1 (s. Test in diesem Heft), zu der jetzt auch Branchenriese Philips ein Gerät beisteuert: Der Key 019, rein äußerlich ein USB-Stick, nimmt Fotos und Videos auf (die 128 MB Speicher fassen bis zu 24 Minuten MPEG4-Video mit 320x240 Pixeln bei 30 Bildern pro Sekunde). Außerdem dient der Winzling als MP3-Spieler und externes Datenspeicher-Laufwerk (Preis ca. 330 , ab Mai).
Panasonic führt zur CeBIT ebenfalls neue Multifunktionskameras ein. Wie das direkte D-snap Vorgängermodell nehmen die SV-AV50 (549 ) und SV-AV25 (449 ) ebenfalls MPEG4-Video auf (320 x 240 Pixel mit 30fps). Alle Funktionen werden bequem über einen Jog-Ball gesteuert. Ihr CCD löst 2 Megapixel auf, und sie haben einen 2,5fachen digitalen Zoom. Funktionen für AAC- oder MP3-Playback und Diktiergerät sind ebenfalls eingebaut. Mit bis zu 240facher Geschwindigkeit lassen sich Aufzeichnungen von Panasonics DVD-Rekordern auf die SD-Card überspielen (und umgekehrt); das entspricht einer Stunde TV-Programm in 15 Sekunden.
Bei soviel Vor-CeBIT-Rummel will sich Rivale Sony nicht hintanstellen: Insgesamt 15 neue DV- und DVD-Camcorder (S. 8/9) werden präsentiert. Um der Öffentlichkeit Appetit auf High Definition zu machen, werden außerdem in einer HD-Welt alle derzeit verfügbaren (und so manche kommenden) HD-Geräte aus dem Hause Sony im Zusammenspiel präsentiert. Sonys Kalkül: Wer HD einmal in voller Auflösung erleben konnte, wird für Formate wie DV oder gar analoges Video nur noch ein müdes Lächen übrig haben wir sind gespannt, ob die Rechnung aufgeht (s.a. HDTV-Artikel auf S. 39).
Doch auch das Segment der klassischen DV-Camcorder ist noch immer für Überraschungen gut. Samsung kommt mit der Duocam II (VP-D6050i) nach Hannover: Was da wegen der zwei Objektive so vollkommen ungewohnt aussieht, vereint tatsächlich eine vollwertige Mini-DV- und eine digitale Fotokamera mit 5 Megapixeln in einem Gerät. Das Video-CCD lugt durch die obere Linse, ein separates Photo-CCD durch die untere. 10x optisches Videozoom (800x digital), Picture Bridge Direkt-Druck, MultiMediaCard-Slot und deutsches Menü Samsung hat an Features nicht gespart. Sieht so die Zukunft aus?
HDV kommt
Also DV, DVD und MPEG4 für Camcorder 2004 und Ende? Pustekuchen: Das HDV-Format, das hochaufgelöste Signale im MPEG2-Verfahren auf DV-Kassetten aufnimmt (s. CV 5/03), wirft seine Schatten voraus. Canon, JVC, Sharp und Sony hatten die Spezifikation für HDV im Herbst letzten Jahres vorgestellt; von den großen Herstellern hat einzig Panasonic noch keine HDV-Geräte angekündigt. Auf der CeBIT wird, so brachte CV in Erfahrung, mindestens ein Prototyp öffentlich gezeigt werden, der die riesige Auflösung von 1.440 x 1.080 Pixeln beherrscht; ob es ein Drei- oder ein Einchipper wird, stand bei Redaktionsschluß noch nicht fest. Zur Photokina soll dann bereits ausgeliefert werden. Aus Camcorder-Sicht wird 2004 demnach ein spannendes Jahr.
DVD-Brenner: 16fach!
Kaum sind die ersten 8fach Dual- oder gar Triple-Standard-DVD-Brenner auf dem Markt, preschen einige IT-Unternehmen schon mit 12x oder gar 16x-Geräten vor. Dabei sind noch nicht mal die 8x-Medien flächendeckend verfügbar wie soll es dann erst mit den 16x-Scheiben werden? Jedenfalls zeigt LG Electronics den 12fach Super-Multiformat DVD-Brenner GSA-4120B, der alle 5 DVD-Formate beschreibt: DVD±R, DVD±RW und DVD-RAM. Der Preis wird sich unterhalb der 200 -Marke bewegen. Waitec setzt noch eins drauf und präsentiert den ersten 16x DVD±R/RW Brenner, genannt Action 16, sowohl als Einbauversion als auch als externes Gerät. Mit im Gepäck ist außerdem ein DVD Home Recorder: Vision HR beschreibt DVD+R/RW und gibt zudem jedes Medienformat einschließlich MP3 und Kodak Picture CDs wieder. Wer seine DVDs so schnell beschreibt, möchte die Inhalte nicht ebenso schnell wieder verlieren: TDK bietet deshalb kratzfeste DVD-R/RW-Rohlinge mit Anti-UV-Schutzschicht an (auch im 8cm-Format für DVD-Camcorder). Dieser Filter schützt die DVD vor Schäden durch direktes Sonnenlicht. Auch Kratzer, Staub, Schmutz und Fingerabdrücke können ihr nichts anhaben. So bleibt die kostbare Filmsammlung auch bei widrigen Umständen unbeschädigt.