Editorial CV 2/04:
HD: „Da stellen wir
uns mal janz dumm ..."

 

Edi2_04.jpg (14943 Byte)

Was also ist ’ne Codec? Da stellen wir uns mal janz dumm, und dann sagen wir so: ’ne Codec, das ist ’ne Progrämmsche, wo vorne eine große Informationsmenge reinkommt und hinten eine kleine wieder raus, und umgekehrt. Damit hört die Nähe zur Dampfmaschine aus der „Feuerzangenbowle“ freilich auch schon wieder auf, denn während das Prinzip der Dampfmaschine seinerzeit doch recht universell war, gibt es in der Videowelt mittlerweile Codecs und Standards wie Sand am Meer.

Das macht das Leben des Videofilmers nicht gerade leichter: Schließlich ist er es, der sich mit all den Inkompatibilitäten herumplagen muß, den ihm die Gremien und die Industrie einbrocken. Wie heißt es noch so treffend? „Das Schöne an Standards ist, daß es so viele davon gibt...“ Listen wir doch mal auf: DV-1 und -2, MPEG-1, -2, -4 und -21, dazu proprietäre Profi-Varianten wie DVCAM, DVCPRO25/50/100, IMX, HDCAM und XDCAM. Außerdem gibt’s noch immer zahlreiche Produkte und Anwender, die auf Basis von Motion-JPEG arbeiten, und das ist ohnehin immer proprietär.

Dann wären da die Streaming-Formate Windows Media (selbst ein MPEG-4-Derivat), Real Media und QuickTime sowie Quasi-Standards wie DivX. Aus der analogen Video-Steinzeit grüßen PAL, NTSC und SECAM (jeweils in zahlreichen Varianten). Multiplizieren wir das Ganze mit der Zahl der Trägermedien -- Kassetten unterschiedlichster Art für analoges wie digitales Video, CDs, (S)VCDs, DVDs, dazu etwa ein Dutzend Formate für Speicherkärtchen, Festplatten usw. -- und der Übertragungsarten (via terrestrischem Broadcast, Kabel, Satellit und Internet), und wir erlangen eine ungefähre Vorstellung von der Komplexität der Materie, mit der es der Videofilmer zu tun hat. Haben wir etwas vergessen?

Klar haben wir das: Es kommt da was auf uns zu, mit der Kraft einer Dampfwalze. Viele in der Industrie, in den Sendern und Gremien wollen es zwar noch nicht wahrhaben, aber dieses Etwas wird in der Zukunft einen guten Teil des obigen Kuddelmuddels schlichtweg plattmachen (und das ist gut so). Es beginnt mit den Buchstaben HD (für High Definition), und dann folgt wieder eine Reihe ergänzender Buchstaben. Das hochauflösende Fernsehen HDTV, in Japan und Korea, Australien und den USA schon seit längerem gang und gäbe, wird auch in Europa zum Ausstrahlungsstandard werden. Einen großen Schub erhält die Technologie durch die Fußball-WM 2006 in Deutschland, die komplett in HDTV übertragen werden wird. Wer heute schon einen Eindruck von der vollen HDTV-Auflösung bekommen will, befolgt die Tipps in unserem Artikel auf S. 39 und schaltet Euro 1080 ein.

HDV, hochauflösendes Video, wurde als Spezifikation zwar erst im Herbst 2003 festgelegt (s. News CV 5/03), doch bereits auf der CeBIT wird HDV für Europa einen kräftigen Schub erhalten. Zumindest einer der großen UE-Hersteller macht HD zu einem zentralen Messethema (s. Vorbericht ab S. 18) und zeigt, was heute schon möglich ist und was die Zukunft bringt. Also immer schön die Augen offenhalten auf der CeBIT...

Unser Fazit: Wer HDV mal in voller Auflösung gesehen hat, der fängt schon mal an zu sparen für seinen ersten echten HDV-Camcorder, so beeindruckend ist die Bildqualität. Wichtig ist bekanntlich das, was hinten rauskommt. Und das ist bei den HD-Standards zunächst mal deutlich mehr. Ob’s auch besser ist, steht auf einem anderen Blatt. Womit wir wieder beim Thema wären: Was also ist ’ne HD-Codec? Da stellen wir uns doch erstmal janz dumm ...

Happy CeBITting!

Ihr Roland Schäfer

 

Zurück zum Inhalt

Zurück zum Seitenbeginn