Editorial CV 2/06:

HD-unready
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Spulen wir doch mal kurz vor, in eine wohl gar nicht so allzu ferne Zukunft. Sie machen es sich z.B. im Sommer 2006 abends mit Chips und einem kühlen Bier auf Ihrer Couch bequem und freuen sich auf den Hauptfilm im neuen Fernseher oder die DVD im neuen Heimkino. Denn um „für die Zukunft gerüstet“ zu sein, wie es momentan überall angepriesen wird, haben Sie sich zur WM „und überhaupt“ in erhebliche Kosten gestürzt, die betagte PAL-Glotze rausgeschmissen und den fetten neuen 16:9-Breitbild-HD-ready-superduper-Flachbildschirm mit allem Schnickschnack angeschafft, oder einen entsprechenden Beamer. Und natürlich füttern Sie – man ist ja fortschrittlich – das Signal nicht mehr über das schnöde Analog-Scart, sondern rein digital über die DVI- oder HDMI-Schnittstelle in das System.

Hmm, denken Sie dann vielleicht, als der Film anläuft, das Bild ist mir zu flau, was ist denn da los? Also flugs zur Fernbedienung gegriffen und z.B. die Farben hochgedreht, aber denkste: Da rührt sich gar nichts, die Farben bleiben wie festgenagelt. Sie wundern sich, schauen aber erstmal den Film weiter, gezwungenermaßen mit den mauen Farben; da interessiert Sie ein Detail im Bildhintergrund. Sie wollen – das konnte ja schon der alte Analogfernseher – das Bild einfrieren und reinzoomen, doch wieder rührt sich nichts. Nun werden Sie dann doch stutzig und nehmen sich vor, doch mal bei Ihrem Fachhändler nachzufragen, was denn da wohl los ist.

Wenn und falls Sie es dann schaffen, vom Fachhändler eine qualifizierte Auskunft zu erhalten – vorausgesetzt natürlich, Sie haben nicht ohnehin Geiz-ist-geil per Versandhandel oder im Internet gekauft – könnte es ein böses Erwachen geben: Unter Umständen beherrscht Ihr Gerät so simple Funktionen wie Farbkorrektur oder Zoom nämlich überhaupt nicht. Vieles von dem Komfort, an den sich der Kunde bei Analog-TV seit Jahrzehnten gewöhnt hat, ist bei manchen Digital-TVs nicht oder nur eingeschränkt machbar. Denn die Elektronik zur Regelung dieser Features ist (im Gegensatz zum Analog-TV) alles andere als trivial, sprich: sie kostet. Zusammengefaßt lautet das Fazit derzeit leider: Die teuren Oberklasse-Geräte können’s, die billigen nicht. Wer glaubt, mit dem Schnäppchengerät vom Discounter alles machen zu können, ist schief gewickelt. Insofern ist HD-ready noch immer „HD-unready“. Übrigens: Wenn Sie das Gerät stattdessen analog über Scart verkabeln, haben Sie wieder den gewohnten Komfort …

Schicken Sie Ihr neues HD-ready-Gerät bei solchen Fehlfunktionen also nicht gleich zwecks Reparatur an den Hersteller ein – womöglich verzichten dann Sie wochenlang ganz umsonst auf das gute Stück. Machen Sie sich stattdessen am besten schon im Vorfeld des Kaufes schlau über die Features des anvisierten HD-ready-Gerätes, und ganz besonders über die „alltäglichen“, über die nichts im Prospekt steht. Am besten fahren Sie jedoch nach Hannover auf die CeBIT, die aktuell wieder ansteht (9. bis 15. März), und fragen dem Hersteller Ihres Wunschgerätes ein Loch in den Bauch. Im Zweifelsfall lassen Sie sich bestimmte Funktionen vor dem Kauf schriftlich zusichern.

Um Ihnen den Trip zur CeBIT noch schmackhafter zu machen, verlost ComputerVideo auch in diesem Jahr wieder 10 Freikarten (im Wert von mittlerweile 38 Euro an der Tageskasse) – möge Fortuna mit Ihnen sein! Zur Einstimmung finden Sie in diesem Heft schon mal jede Menge exklusiver CeBIT-Vorab-News: an die 50 neue Camcorder aller Preisregionen und Klassen, darunter als Exklusiv-News die erst ab Erscheinungstag dieses Heftes „offizielle“ Sony HDR-HC3 (Sony allerdings bleibt der CeBIT diesmal fern) und den großen Test von Canons er­stem HDV-Dreichipper XL H1. Will also die Glotze mal nicht so, wie Sie so wollen, kommt hier unser Tip fürs Alternativprogramm: Auf der Couch läßt sich auch prima ComputerVideo lesen!

Viel Spaß mit dieser Ausgabe und auf der CeBIT wünscht

Ihr Roland Schäfer

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