Editorial CV 2/07:

Willkommen in Ihrem neuen O.I.S.S.!
 


Es ist schon ein Kreuz mit dem Marketing: Immerzu ist der, der es gerade „managt“, auf der Suche nach neuen Superlativen, muß sich hochtrabende Phantasiebezeichnungen für Allerweltskram aus den Fingern saugen oder – schlimmer noch – „sloganeeren“, „Tag Lines coinen“ oder gar „Claims phrasen“. Aua! möchte man schreien ob soviel Neudeutsch, und Otto Normalleser fragt sich unwillkürlich, wie ausgesaugt die eifrigen Marketing Manager- und -Innen-Finger denn eigentlich wohl aussehen mögen. Egal, der aktuell unzweifelhaft schrecklichste Auswuchs dieser Zwangshandlungsweise sind die „Content-“ oder „Asset Management Systeme“. Klingt gaaanz toll, so ein CMS, ist allerdings dann die reine Roßtäuscherei, wenn sich dahinter nur ein ziemlich langweiliges Stück Software verbirgt. Wohlgemerkt, wir sprechen hier nicht von den zahlreichen Profisystemen, die etwa dem Fernsehredakteur helfen, sich in dem riesigen Wust von Clips und Beiträgen zurechtzufinden, die ihm die geballte Journalistenmacht da jeden Tag auf den Schirm schaufelt. Nein, was da heutzutage unter dem „Buzzword“ (s.o.) CMS hochgejubelt wird, ist oft nichts anderes als ein simpler Browser oder eine Fotosoftware, in der Bilder per Hand umbenannt werden können. Geht das so weiter, dann reichen wir bald für diese Zeitschrift Patentschutz ein für die Bezeichnung O.I.S.S. – „Optical Information Storage System“. Denn unzweifelhaft können auf Papier Informationen gespeichert werden, und da es immer noch das Auge ist, das sie wahrnimmt, ist es ein optisches System. Heureka! Da lacht doch gleich das Marketing-Herz ...

Keine Bange, solch groben Unfug machen wir natürlich nicht mit, CV bleibt auch im 10. Jahr ihres Bestehens CV, besser noch: CV bleibt gleich doppelt CV… Sie haben’s vielleicht gefühlt, als Sie das Heft zur Hand genommen haben: Ist diese Ausgabe nicht viel dicker als viele vor ihr? Richtig – nämlich eben doppelt so dick (sie hat 112 Inhaltsseiten statt sonst vielfach nur 56). Es kommt noch besser: Das bleibt auch so! Wie das kommt? Nun, das Thema Video am Computer ist uns nach all den Jahren noch immer kein bißchen langweilig geworden, und wie’s ausschaut, denken auch die Hersteller gar nicht daran, weniger Produkte im Jahr herauszubringen, im Gegenteil. Ein paar Beispiele: 50 neue Camcorder zum Saisonstart – das gab’s noch nie (s. ab S. 6); eine solche Formatvielfalt bei der Aufnahme, Speicherung, Weiterverarbeitung und Verteilung von Video gab’s ebenfalls noch nie; und last not least: So viele kreative Talente, die Video als ein Hobby oder als ihre Profession entdecken, hat die Welt ebenfalls noch nie gesehen (YouTube und seine zahllosen Nachahmer lassen grüßen). Was in dieser Mischung noch an technologischem und kreativem Potential steckt, reicht locker für Jahrzehnte. Ideale Bedingungen für ein Fachmagazin!

Daher werden wir, bestärkt durch Ihr Feedback, weitermachen als das Magazin, als das Sie uns kennen – nur eben dicker, mit noch mehr Information, Tests und Know-how. In letzteres werden wir noch mehr Zeit und Energie investieren als bisher, denn – s.o. – an Kreativthemen ist kein Mangel. Allein 40 Seiten Ratgeber und Workshops sind es in diesem Heft geworden, darunter so packende Beiträge wie die Zeitrafferaufnahmen mit simplen Fotokameras (S. 92), die DVD-Flag-Geschichte (S. 104) oder den Workshop zur Filmmusik mit Emmy-Award-Gewinner Matthias Weber aus L.A. So zeigen wir Ihnen, wie Sie noch mehr Leistung und starke Videos aus Ihrem Equipment herausholen. Übrigens: Die Beiträge sind nun noch besser präsentiert, Bilder mit kniffligen Details bekommen ab sofort den Platz, den sie verdienen, und praktische Vergleichstabellen finden Sie überall dort, wo es Sinn macht. Schreiben Sie uns doch einfach in einem Leserbrief (an leserbrief at computervideo.de, mit Namen und Ortsangabe bitte; s. übrigens auch S. 21), was Sie von Ihrem neuen O.I.S.S. halten: Wir freuen uns darauf.

Und auf die nächsten 10 Jahre mit Ihnen…

Ihr Roland Schäfer
Herausgeber ComputerVideo


PS: Übrigens, die Betreiberfirmen jener Online-Shops, die wir zum Anlaß für unser warnendes Editorial in CV 1/07 genommen hatten, sind tatsächlich wie vermutet direkt nach dem Weihnachtsgeschäft in die Insolvenz gefahren worden. Die Zahl der Geschädigten geht in die Hunderte, die Schadenssumme in die Hunderttausende. Auch 2007 sollten Sie die „7 CV-Regeln für Online-Bestellungen“ (s.d.) unbedingt befolgen ...
 

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