Editorial CV 2/08:

Sudden Death

 

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Im Fußball war es eine Zeitlang als „Golden Goal“ bekannt, doch der Begriff stammt ursprünglich aus dem Eishockey: Erzielt bei unentschiedenem Spielstand eine Mannschaft in der Nachspielzeit ein Tor, ist das Match entschieden, der Gegner stirbt den „Sudden death“, den „plötzlichen Tod“. An diese Situation fühlt sich erinnert, wer die Meldungen zum Thema Blu-ray Disc/HD DVD im Nachgang der US-Branchenmesse CES in Las Vegas Anfang Januar studiert. Was war geschehen? Nun, am Vorabend der CES hatte Barry Meyer, seines Zeichens Boss des US-Filmstudios Warner Bros., eine Kehrtwende bekanntgegeben: Warner werde seine Filme ab Mai ausschließlich auf Blu-ray Discs (BD) vermarkten und das bisher parallel unterstützte Konkurrenzformat HD DVD fallenlassen. Denn auf die Dauer würde der Formatstreit Käufer verprellen und somit die Chance verspielen, die Massenmärkte der Welt noch halbwegs zügig auf High Definition umzustellen.

Damit schließt sich Warner nun Disney, Fox, MGM und Sony an; von den großen Hollywood-Studios verbleiben nur noch Dreamworks, Paramount und Universal im HD DVD-Lager. Da inzwischen weitere Studios wie New Line Cinema Warner auf die BD-Seite gefolgt sind, sieht es derzeit durchaus danach aus, daß der einseitige Schritt der Anfang von Ende des unseligen Formatkrieges wäre. Aber mal unabhängig davon, ob das Wohl und Wehe des technologischen Fortschritts nun tatsächlich von High Definition abhängig ist: Glaubt jemand im Ernst, der Schritt sei so überraschend gewesen, wie er jetzt hingestellt wird? Warner hatte schließlich bereits im Oktober öffentlich angekündigt, daß man sich für eine Seite entscheiden werde, und daß man von der BD überzeugt wäre. Außerdem war zu dem Zeitpunkt der Warner-Film „300“ die umsatzstärkste BD aller Zeiten – ein schlagendes Argument.

Überhaupt ist es in solchen Fällen immer aufschlußreich, der Spur des Geldes zu folgen. 150 Millionen US-Dollar sollen es Gerüchten zufolge gewesen sein, die sich Paramount im August 2007 seine Zustimmung kosten ließ, anderthalb Jahre lang Filme nur noch auf HD DVD zu veröffentlichen; 250, vielleicht sogar 500 Millionen sollen nun bei Warners Schwenk auf BD im Spiel gewesen sein – Warner dementierte umgehend. Wie auch immer: Es ist (leider) schwer vorstellbar, daß ein solcher Milliardenmarkt allein aufgrund der Sorge ums Kundenwohl entschieden würde, wie Warner nun vorgibt. Im Umkehrschluß heißt das: All die Jahre, in denen sich die beiden Lager erbittert und unter Millionenaufwand bekämpften, spielte das Kundenwohl offenbar überhaupt keine Rolle.

Nun sind wir natürlich gespannt auf all die tollen Aktionen zum Wohle des Kunden, die da zwangsläufig kommen müßten, falls die HD DVD tatsächlich ins Gras beißt. Wir hätten da ein paar Vorschläge: kostenloser Umtausch von HD DVD-Playern in BD-Player für all diejenigen Käufer, die ihr Geld sonst in den Sand gesetzt hätten (glaubt man den 2007er Verkaufs-Charts, wäre das sogar eine recht preiswerte Aktion…); Gratis-Überspielung von Medien; und last not least endlich niedrigere Preise für BD-Equipment und -Filme, weil ja nun dank des Massenmarktes viiiel billiger produziert werden kann ...

Aber ach, was flattert uns da ins Haus? Statements aus BD-Kreisen, daß man ja nun die hohen Preise beibehalten könne, weil schließlich der Konkurrenzdruck weggefallen sei. Hmm... Dazu fällt uns nicht mehr viel ein, außer vielleicht: Wir wissen schon, warum wir gegen Monopole sind. Vielleicht war das mit dem Formatkrieg ja doch so schlecht nicht? Wie man selbst ausweglose Situationen nutzt, hat jetzt übrigens ausgerechnet Toshiba vorgemacht. Die haben nämlich die Preise für ihre HD DVD-Player kräftig gesenkt, auf das Niveau hochwertiger DVD-Spieler. Ist das schon der Ausverkauf – oder war da einfach noch so viel Marge übrig? Wie auch immer: Manchmal leben Totgesagte einfach länger – das gilt sogar für die aus Sudden death-Endspielen.

Fröhliches HD-Player-Shoppen wünscht

Ihr Roland Schäfer

Herausgeber


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