Editorial CV 3/05:
Außer Spesen ....
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Herzlichen Glückwunsch, liebe Videoindustrie: Ihr habt euch dieses Jahr auf der CeBIT insofern selbst übertroffen, als daß dort zwar jede Menge neuer Geräte, aber nicht eine einzige echte Hardware-Überraschung präsentiert wurde. Kein Prototyp im Hinterzimmer, kein Holzmodell in der Jackentasche eines Produktmanagers, kein Überraschungscoup in Sachen neuer Software -- alles schon vorher bekannt und in ComputerVideo 2/05 nachzulesen. Und die erschien immerhin vier Wochen vor Messebeginn. Über die Jahre hat es sich eingebürgert, alle neuen Geräte schon vorher anzukündigen, damit sie’s in die Vorberichterstattung schaffen und zur CeBIT schon in der Presse stehen. Insofern wäre die Strategie in diesem Jahr voll aufgegangen.

Das hat freilich die fatale Folge, daß mittelfristig der Messebesuch schlicht überflüssig würde. Wozu sich nach Hannover quälen, wenn der Gang zum Kiosk um die Ecke reicht, und zwar schon Wochen vorher? Teurer Parkplatz und Eintritt, Gedränge in den interessanten Hallen, genervtes Standpersonal, wunde Füße: Das sind nicht wirklich hinreichende Gründe für einen Messebesuch zu 37 Euro pro Person und Tag ... Die neuen Produkte sind’s! Sie sind das Salz in der Suppe, sind der Magnet, der alle auf die Messen zieht: Anfassen, ausprobieren, sich informieren und seine Fragen beantwortet bekommen, so lautet die Devise. Ist das nicht gewährleistet, so bleibt man -- wozu gibt’s schließlich Internet (und CV) -- der Messe eben fern. Das taten im Vergleich zum Vorjahr diesmal immerhin 30.000 Besucher. 480.000 zählte die Deutsche Messe AG insgesamt (nach 510.000 im Vorjahr). Das ist nicht „stabil“, wie der Veranstalter verkündete, sondern nach unserer Rechnung ein Minus von nochmal knapp 6 Prozent. Ob das alles nur die Kiddies und Beutelratten sind, die ohnehin keiner auf der Messe haben will?

Wie gut, daß es ansonsten -- abgesehen von der CeBIT als Quelle von Überraschungen -- überhaupt keinen Grund gibt, an der Innovationskraft der Videoindustrie zu zweifeln. Selten gab’s in einem Frühjahr eine solche Flut neuer Camcorder (mehr als 40 allein im letzten Heft, nochmal ein gutes Dutzend in diesem) jedweder Couleur: DV, DVD, HDV, MPEG4, 1CCD, 3CCD, CMOS, mit Speicherung auf Band, Scheibe, Platte, Microdrive, Flash Memory ... Die DV-Monokultur der letzten 10 Jahre ist aufgebrochen, es sprießt eine bunte Frühlingswiese der Produktansätze, Technologien und Anwendungen.

Daher kann von Nachrichtenflaute keine Rede sein. Selten war eine CV so vollgepackt wie diese. Bei HD und HDV tut sich so viel -- neue Dreichipper, der Markteintritt von Panasonic, eine Qualitätsdebatte mit sensationellen Erkenntnissen (vgl. S. 28f) -- daß wir es zum Schwerpunktthema gemacht haben. Wir sind schon gespannt auf Ihr Feedback. Auch die NLE- und Softwarehersteller sind über den Winter ausgesprochen rührig gewesen, wie die zahlreichen Softwaretests in diesem Heft belegen. Und unser Ratgeber „CV Academy“ widmet sich diesmal <I>der<P> Königsdisziplin des Filmens überhaupt: der bewegten Kamera. Damit Sie Ihre nächste Großmesse (es dräut bereits wieder die IFA Anfang September) am besten gleich mit Kamerakran, Dolly oder Steadycam filmen können ...

Fröhliches Frühlingsfilmen wünscht

Ihr Roland Schäfer

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