| Editorial
CV 4/03: Geiz ist ungeil |
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Deutschland ist leider teuer: Lebenshaltung, Lohnnebenkosten, Waren aller Art. Die Unterhaltungselektronik macht da keine Ausnahme. So manche Videokamera kostet schon im europäischen Ausland zwischen 10 und 25 Prozent weniger als hierzulande. Wer in den USA kauft, zahlt – für ein fabrikneues, voll funktionsfähiges und mit Herstellergarantie ausgestattetes PAL-Modell wohlgemerkt – häufig gerade mal die Hälfte des deutschen Ladenpreises. Der Grauimport unter Umgehung des deutschen Zolls boomt, gerade jetzt zur Urlaubszeit.
Kein Wunder, daß clevere Marketingleute den Slogan „Geiz ist geil“ erfunden haben. Nichts liegt näher, als in knappen Zeiten die Not zur Tugend zu machen und all die Pfennigfuchser, Rappenspalter und Schotten der Nation mit Billigstangeboten zu ködern, den Geiz quasi zum Kult zu erheben. Allein schon die Behauptung des günstigsten Preises läßt den Umsatz explodieren. Nach demselben Prinzip funktionieren Dutzende von Geizhals-, Günstiger- und Preisvergleichs-Webseiten im Internet. Niemand sagt Ihnen freilich, daß dabei häufig nur Ladenhüter verramscht, die wahren Kosten unterschlagen oder Garantieleistungen beschnitten werden.
Was bei dieser Art des Vertriebes unweigerlich als erstes auf der Strecke bleibt, sind Beratung und Support. Die sind teuer, weil erstens personal- und zweitens zeitintensiv; schließlich erwartet der Kunde eine individuelle Lösung seines Problemes, und da steckt der Teufel im Detail. Gerade im Umgang mit der Video- und PC-Technologie stellt sich die notwendige Erfahrung erst nach Jahren oder gar Jahrzehnten des intensiven Umgangs mit den Geräten ein. Kostenlos ist solches Knowhow nur im Freundeskreis oder im Videoclub erhältlich, und selbst da sind der Hilfsbereitschaft irgendwann Grenzen gesetzt.
Der Fachhandel hat seit jeher die Rolle eines Mittlers zwischen Hersteller und Kunden wahrgenommen. Er „übersetzt“ die Technik, erklärt die Features und stellt individuelle Pakete zusammen (oder sollte es zumindest). Diese Leistung des Händlers kostet wie alle Dienstleistungen Geld, das in der Regel mit einem Aufpreis im Vergleich zum Billiganbieter – sei’s nun der Discounter oder das Geiz-Portal im Internet -- abgegolten wird. Hier besteht ein zentraler Zusammenhang: Wer seinem Fachhändler ein Loch in den Bauch fragt, sich dort kostenlos die Beratubng holt und dann schlußendlich doch billig im Internet kauft, darf sich nicht wundern, wenn der Händler ihm beim nächsten Mal die kalte Schulter zeigt. Oder, schlimmer noch, über kurz oder lang pleite geht, weil die Kunden ausbleiben. Spätestens hier beginnt der Geiz schlichtweg ungeil zu werden, entzieht er doch dem Markt dringend notwendiges Knowhow. Und daran hängen schließlich viele Arbeitsplätze – mittelbar vielleicht auch Ihrer.
Sicher, auch der Handel muß sich auf die veränderte Situation einstellen. Die Marge einstreichen und dann den Kunden im Regen stehen lassen: Das ist ein Modell, das weniger denn je funktioniert. Er sollte sich auf seine Stärken besinnen: maßgeschneiderte Angebote, ordentliche Beratung bieten und faire Preise verlangen. Wer die nicht zu zahlen bereit ist, der muß in Kauf nehmen, daß seine Fragen künftig vielleicht ganz einfach unbeantwortet bleiben – und die Hard- oder Software, wie geizig auch immer erworben, in der Ecke verstaubt.
Ein fröhliches Preisvergleichen wünscht
Ihr Roland Schäfer
PS: Es gibt übrigens etwas, das ist noch geiler, als wenn’s einen niedrigen Preis hat: wenn es nämlich gar keinen hat. Deshalb können Sie ab sofort und nur über www.gratis-ist-geiler.de (oder gleich über www.computervideo.de) ein kostenloses Probeheft von ComputerVideo bestellen. Wenn das mal kein geiles Angebot ist, um kostenlos an wertvolles Knowhow heranzukommen ...