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Editorial CV 4/08: Filmen, filmen, filmen - und immer an das Backup denken! |
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etwas, das nicht da ist, eine begriffliche Klammer bilden, sinnstiftend sein
für etwas, das doch da ist? Aber klar geht das, zumindest in der IT- und
Unterhaltungselektronik! „Cordless“ hat’s vorgemacht – manche erinnern sich noch
daran, als „cordless“ noch ganz einfach „schnurlos“ hieß – dann kam „wireless“,
und heute sind die Zeiten kaum mehr vorstellbar, als man mit dem Telefon in der
Hand noch nicht vom Keller unters Dach seines Hauses gehen oder um die Welt
fliegen konnte, ohne daß die Verbindung abriß. Wie haben wir diese Zeiten nur
überlebt?
Das „wireless” des Videofilmers heißt derzeit neudeutsch „tapeless“,
alias schlicht und einfach „bandlos“. Bandlose Camcorder für die Amateure, „Tapeless
acquisition“ bei den Broadcastern – alternative Speichermedien für Video haben
Hochkonjuktur. Hob die Industrie Anfang der 90er noch das digitale Band als
Kompromiß aufs Podest, so hagelt es heute Festplatten, Speicherkarten, Flash
Discs in einer Vielzahl von Formaten. Selbst die DVD als
Camcorder-Speichermedium ist ja schon wieder out, und es ist zu erwarten, daß
die Blu-ray Disc für die Anwendung Bewegtbildaufnahme praktischerweise gleich
mit entsorgt wird. „Das Schöne an Standards“, so hat es mal ein schlauer Kopf
ausgedrückt, „ist, daß es so viele davon gibt.“ Nie war dieser Spruch so wahr
wie heute.
Nun ist es freilich so, daß bei allen Kostenvorteilen von Band & Co. die
Videoaufnahme auf rotierende Medien langfristig keine Chance mehr bekommt. Wem
jemals sein Camcorder das Band mit dem Originalmaterial der Hochzeitsreise oder
des Lieblingsurlaubes gefressen hat, weiß, was wir meinen: Die Zeiten sind
vorbei, und Flash & Co. gehört beim Videofilmen nicht nur die Zukunft, sondern
bereits die Gegenwart. Der Grund liegt weniger bei den Medien selbst, sondern
bei den Camcordern. Bis vor ganz kurzer Zeit konnten nichtlinear aufzeichnende
Consumer-Geräte ihren bandbasierten Kollegen nicht das Wasser reichen, was die
Videoqualität anging. Kinderkrankheiten bei den Chips, speicherhungrige
Kompressionsverfahren, Flaschenhälse beim Wegschreiben – alles Schnee von
gestern. Die Alternativtechnologien sind erfunden und serienreif, und
mittlerweile sind die Bandlosen ihren Kollegen alter Schule in Sachen Qualität
nicht nur ebenbürtig, sondern vielfach bereits um die berühmte Nasenlänge
voraus; die Testberichte von Canon, Sony und Co. in diesem Heft sind ein guter
Beleg dafür.
Diese Zeitschrift in ihrer Rolle als Chronistin der laufenden Ereignisse
in der Videobranche sieht das Thema übrigens rein sportlich: Soll doch die
bessere Technologie gewinnen, und möge der Filmer immer die Weitsicht haben, das
richtige Werkzeug für seine spezifische Aufgabe auszuwählen. Wer für die
Nachrichten arbeitet, ist mit bandlosen Speichern seinen Tape-Kollegen bereits
um Lichtjahre voraus, was den Workflow angeht. Und wer ein halbes Jahr auf
Doku-Dreh in den Himalaya verschwindet, ist gut beraten, sich eben nicht mit
Speicherkarten einzudecken, sondern mit Bandkassetten. Das liegt dann aber nicht
mehr an etwaigen Kinderkrankheiten bandloser Camcorder, denn die sind – von
Ausnahmen abgesehen – in der jüngsten Gerätegeneration schon wieder Geschichte.
Doch beherzigen Sie dabei – in Abwandlung eines „Focus“-Slogans – nur ja immer
das eherne Motto aller Bandlos-Videographen: „Filmen, filmen, filmen. Und immer
an das Backup denken.“…
Viel Erfolg beim band-haften wie band-losen Filmen wünscht
Ihr Roland Schäfer
Herausgeber