Editorial CV 4/09:

Memorandum
 

Vor kurzem hatten wir einen Todesfall in der Familie meiner Frau, ein Großonkel, stolze 92 Jahre alt ist er geworden. In seinem bewegten Leben hatte er allerhand auf die Beine gestellt, unternommen, hat viel von der Welt gesehen. Als die Angehörigen seine Keller sichteten, staunten sie nicht schlecht: Dort lagerten, in Schuhkartons gebunkert, Hunderte von Filmkassetten, erst Normal 8, dann Super 8, schließlich VHS – ein guter Teil seines Lebens und dem seiner Familie seit den frühen Fünfzigern, auf Film und Video dokumentiert, ein wahrer Schatz. Der Erhaltungszustand allerdings war zum Teil eher mittelprächtig: Das wird viel Arbeit werden, das Material zu erhalten, zu transferieren und – angesichts der schieren Menge – es überhaupt erst zu sichten. Zumal es aller Voraussicht nach einen ansehnlichen Gerätepark erfordern wird, denn von den ursprünglichen Geräten ist nichts mehr vorhanden oder einsatzbereit. Und wer hat überhaupt die Zeit, sich in die Materie einzuarbeiten, wer das Know-how, den Schatz „aufzuschließen“?

Die Stationen eines Lebens zu dokumentieren, für sich selbst und für nachfolgende Generationen: Das ist eine der zentralen Motivationen privaten Filmens wie auch des Fotografierens. Was häufig als bloß sporadisches Draufhalten und Ablegen beginnt, wächst sich bisweilen zum systematischen Filmen und Archivieren aus. Wenn dann allerdings wie im obigen Beispiel – etwas „dazwischenkommt“, sich das Interesse anderen Dingen zuwendet, gerät die Sammlung in Vergessenheit und in Gefahr, für immer zerstört zu werden. Wie sichern Sie eigentlich Ihre Erinnerungen?

Denn das ist die Crux des Ganzen: All die privaten und möglicherweise gar kulturhistorisch wertvollen Erinnerungen sind für die Katz, wenn das Primärziel des Filmenden, die Dokumentation, durch die Art der Aufnahme oder Technik des Archivierens nicht konsequent gestützt wird. Sicher, die Digitalisierung des Filmens hat einen großen Fortschritt gebracht, aber: Haben Sie tatsächlich schon all Ihre Analogbänder digitalisiert, wann die DV-Tapes aus den Neunzigern zum letzten Mal angeschaut? Sind die überhaupt noch abspielbar? Wie lange halten eigentlich DVDs? Und selbst Festplatten stürzen bekanntlich bisweilen ab. Da hilft nur das alte Motto: Doppelt hält besser.

Wer sich nach dauerhaften Lösungen umschaut, trifft zwar unweigerlich auf eine Phalanx tatsächlicher oder selbsternannter Spezialisten (besonders im Bereich Filmtransfer), doch billig ist die Sache nicht, besonders nicht bei großen Sammlungen. Was wir in unseren CV-Beiträgen und Telefonaten mit Lesern immer wieder raten: Machen Sie sich schlau – wozu gibt es Internet. Holen Sie Angebote ein, vergleichen Sie, nehmen Sie nicht das erstbeste. Prüfen Sie Do-it-yourself-Methoden; wenn Sie noch selbst Film- oder Analogmaterial haben, planen Sie Zeit und Geld für die Archivierung ein. Was nützt die schönste Sammlung, wenn sie – siehe unser Einstiegsbeispiel – verlorenzugehen droht?

Vor allem aber sollten Sie von vornherein in der bestmöglichen Qualität filmen, die am Markt verfügbar ist, und die heißt derzeit HD. Wir haben in diesem – wie in jedem Heft wieder zahlreiche Camcorder getestet, die sich ohne weiteres für den Job qualifizieren, Ihr Leben bestmöglich zu dokumentieren. Wir meinen: Der anstehende Sommerurlaub ist eine perfekte Gelegenheit, den Grundstein für die eigene Sammlung zu legen oder sie fortzuführen – ab Seite 20 finden Sie die besten HD-Urlaubscamcorder für Einsteiger. Wie Sie dann aus dem Originalmaterial spannende Videos produzieren, erfahren Sie wie immer in dieser Zeitschrift: In dieser Ausgaben finden Sie ab S. 62 wieder zahlreiche Ratgeber und Workshops, die Ihnen helfen, noch bessere Videos zu produzieren.

Viel Spaß bei der Lektüre dieser CV wünscht

 

Ihr Roland Schäfer


Herausgeber

 


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