Editorial CV 5/02:
Der Ton macht die Musik
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"So eine Unverschämtheit!" Leser S. war sauer, richtig sauer. "Für die neue Ausgabe war der Beitrag x angekündigt (hier beliebige Ankündigung einsetzen, die Red.), und ich habe schon sehnsüchtig darauf gewartet. Wie ich soeben feststellen mußte: umsonst! Das ist doch Betrug am Leser! Ich verlange umgehend eine Erklärung." So schrieb er sich in einem Leserbrief an die Redaktion den Frust von der Seele. Andere werden deutlicher: "Wenn ich nicht bis morgen abend eine Antwort auf meine Anfrage erhalte, werde ich Ihre Zeitschrift in Zukunft meiden!" hieß es jüngst in einer Erstanfrage des Lesers M. wegen einer nun wirklich sehr speziellen Schnitt-Inkompatibilität (für die noch nicht einmal grundlegende Features der Konfiguration wie Betriebssystem und Versionsnummern angegeben waren).

Lieber Leser S., lieber Herr M. (beide seien hier stellvertretend genannt): Wir können Ihre Verärgerung gut verstehen. Da plant man ein Projekt, zur optimalen Konfiguration des Schnittsystems fehlt nur noch ein (vermeintlich) winziges Puzzleteilchen, und dann schafft es diese Zeitschrift noch nicht mal, ihre Vorankündigung einzuhalten. Und selbst für ultimativ Verzweifelte, die unter Hochdruck ein Kundenprojekt fertigstellen müssen und immer wieder an einem der ungezählten Software-Bug scheitern, haben wir Verständnis – innerhalb gewisser Grenzen, versteht sich.

Denn zum einen müssen wir feststellen: Wir können – entgegen der Auffassung mancher Leser, die uns solches zutrauen -- die Zukunft nicht wirklich vorhersagen. Könnten wir es, dann hätten wir unseren Beruf verfehlt und wären besser Wettervorhersager, Börsenspekulant oder Privataugur geworden. Wir sind es bekanntlich nicht, und die Gründe, die uns trotz unserer Bemühungen immer mal wieder die Performance versauen, sind mannigfaltig: Da gibt’s Hersteller, die ihre Produkte plötzlich aus unerfindlichen Motiven um Monate schieben; deren angebliche Seriensoftware so störanfällig ist, daß selbst wir sie nicht für 5 Minuten stabil zum Laufen bekommen; System-Provider, die entgegen fester Zusagen ein Testsystem nicht zum vereinbarten Zeitpunkt bereitstellen; oder Kurierdienste, die im Hochwasser steckenbleiben, weil das Haus eines Mitarbeiters landunter ist. Mit anderen Worten: platzende Termine und Umstände, die schlichtweg nicht vorhersehbar waren.

Unter "höherer Gewalt" sind weiter solche Fälle zu verbuchen, in denen Hersteller ganz überraschend echte Sensationen präsentieren, wie es (häufig zu Messezeiten) gang und gäbe ist. Da wird schon mal ein Beitrag ins Heft genommen, der brandaktuell ist und viele Leser angeht – selbst auf die Gefahr hin, daß er dadurch einen weniger heißen, angekündigten Beitrag um eine Ausgabe verschiebt. Mal ehrlich: Auch Sie möchten doch lieber eine aktuelle ComputerVideo mit einer Berichterstattung, durch die Sie schnell auf Marktveränderungen reagieren können. In diese Richtung weisen jedenfalls die Ergebnisse unserer Leserbefragungen, und hier fährt diese Zeitschrift regelmäßig gute bis sehr gute Noten ein, und das häufig sogar in direktem Vergleich zu monatlich erscheinenden Konkurrenzblättern. Die Photokina-Vorschau in diesem Heft (und der neue Sony-MicroMV-Camcorder darin) ist ein gutes Beispiel dafür.

Zum anderen, liebe Leser, eine öffentliche Ansage: Bekanntlich macht der Ton die Musik. Auch hier arbeiten Menschen und keine Roboter, und als solche setzen wir ein Mindestmaß an Umgangsformen voraus – oder sind wir da zu optimistisch? Wer uns schon präventiv beleidigt, erpreßt oder Betrugsabsichten unterstellt, ohne überhaupt nur nach dem Hintergrund für einen bestimmten Sachverhalt zu fragen, der kann nicht erwarten, Extrawürste serviert zu bekommen. Wir veranstalten hier schließlich keine 0190-Hotline für Schnittprobleme zu 2 Euro die Minute, sondern ein Printmagazin (zum Preis eines knappen Dreiminutengesprächs, inkusive CD, wohlgemerkt).

Zum Schluß bitten wir um Verständnis, wenn es manchmal mit einer Antwort ein wenig dauert. Das Aufkommen an individuellen Anfragen ist über die Jahre hinweg extrem angestiegen, und trotz aller Bemühen sind manche Editing-Situationen hier nicht reproduzierbar. Die erste Anlaufstelle bei Problemen sollte daher immer da Handbuch sein, danach die Hersteller-Hotline, danach die zahlreichen Editing- und DV-Foren im Internet. Wenn Sie dann immer noch nicht "geholfen wurden": Email an anfrage  at computervideo.de, und wir versuchen unser Möglichstes.

Ein fehlerarmes Arbeiten wünscht (Ihnen und uns)

Ihr Roland Schäfer

 

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