| Editorial CV
5/04: Theaterdonner
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Schließen Sie doch mal die Augen und
stellen Sie sich vor, Sie stünden mitten in einem riesigen Theatersaal, der erfüllt ist
von tosendem Beifall. Okay, Szenenwechsel: Olympia 2004 in Athen, Endlauf über 100 Meter.
Zehntausende von Kehlen schreien um die Wette, feuern die Läufer auf den letzten Metern
an. Jetzt wieder umschalten: Sie liegen auf einer sonnendurchfluteten Frühlingswiese, die
Vöglein zwitschern, es zirpt der Grillen Chor, und irgendwo ganz in der Ferne schlägt
eine Turmuhr.
Gut gemacht! Und jetzt
stellen Sie sich bitte vor, Sie hocken in Ihrem Home Office vor dem Rechenknecht, schalten
die Lautsprecher auf und hören Aufzeichnungen der oben geschilderten Klangerlebnisse.
Hmm, nicht so prickelnd... Oder Sie liegen auf der Couch in Ihrem Wohnzimmer und drehen
per Fernbedienung den Sound Ihrer Heimkinoanlage hoch; wenn Sie keine haben, tut’s auch
die Stereoanlage. Stimmt, schon deutlich besser, aber irgendwie immer noch weit entfernt
vom Original. Schade eigentlich ...
Was ist da los? Zunächst
einmal lautet die banale Erkenntnis: Dabeisein ist alles, die direkte, physische Erfahrung
vor Ort kann letztendlich keine noch so hochwertige Reproduktion ersetzen. Denn das Auge
hört sozusagen mit, der ganze Körper nimmt die Schallschwingungen auf, dem menschlichen
Wahrnehmungsorgan Ohr sind enge Grenzen gesetzt. Und noch hat der Mensch es nicht
vermocht, sein Gehör künstlich in einer Art zu erweitern, wie er es zum Beispiel beim
Auge mittels Fernrohr oder Mikroskop geschafft hat.
Das hat die Industrie
freilich nicht davon abgehalten, die Audio-Wiedergabe technisch soweit zu optimieren, wie
es nur möglich erscheint. In Kino und Fernsehen haben wir seit nunmehr 30 Jahren Stereo,
seit 20 Surround-Sound (lesen Sie dazu unseren Surround-Backgrounder ab S. 44).
Highend-Anlagen leisten Erstaunliches, und unter eingefleischten Klangfetischisten wird
das Wissen über die besten Komponenten nur noch in quasi-religiösen Zirkeln
weitergegeben. Doch seit Fünfpunkteins scheint die Entwicklung einigermaßen ausgereizt.
Welchen Zuwachs bringt da noch 6.1, welchen 7.1, und lohnt es sich, viel Geld in die
technische Aufrüstung in eine -- sagen wir mal -- dreiprozentige Verbesserung des
Klangeindrucks zu investieren?
Die Audiophilen unter Ihnen
werden nun energisch widersprechen -- geschenkt: Wer nach Perfektion strebt, dem ist egal,
was es kostet, das ist auch uns klar. Uns geht es um das mitunter erbärmliche Dasein, das
der Ton in vielen Videos spielt, gerade in den hausgemachten. Der pfeift häufig im
Wortsinne auf dem letzten Loch, es rauscht und rumpelt zum Erbarmen. Der Ton ist das
Stiefkind vieler Videoproduktionen: Zwar wissen viele, daß er das Rückgrat einer jeden
Videoproduktion bietet, doch in der Praxis werden die guten Vorsätze oft zugunsten des
Bildes vernachlässigt, oder es fehlt schlicht das Wissen, wie der Ton optimal aufgenommen
und aufbereitet wird.
Da sind, ganz klar, wir
als Fachzeitschrift gefordert. Vielleicht haben Sie es schon bemerkt: In den letzten
Ausgaben haben wir den Anteil an Audiothemen im Heft kontinuierlich erhöht, haben
Audiosoftware getestet, Workshops-Serien zum Thema gebracht und zahlreiche Tipps zur
Verbesserung des Tons in Ihren Videos gegeben. In dieser Ausgabe drehen sich viele
Beiträge um das Thema Surround Sound. Unser Vergleichstest ab S. 40 sagt Ihnen, welche
Encoder-Software die beste für Ihre erste eigene 5.1-Surround Sound-Produktion auf DVD
ist. Keine Angst -- das schaffen Sie! Sie werden sich wundern, wie der Einsatz auch nur
eines Bruchteiles der etablierten Technik Ihre Videos aufwertet. Die Möglichkeiten sind
da: Nutzen Sie sie!
So, und jetzt schließen
Sie wieder die Augen... entspannen Sie sich ... und probehören Sie vor Ihrem „geistigen
Ohr“ schon mal Ihr nächstes Video -- klingt schon besser, oder?
Happy Surround-Sounding!
Ihr Roland Schäfer