Editorial CV
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Werden die Herbstmessen mit ihrem anschließenden Jahresendgeschäft
der Videobranche wieder einen Boom bescheren? Davon ist auszugehen: Wenn im September
Hunderttausende von Consumern zur IFA nach Berlin und Zehntausende von Profis zur IBC nach
Amsterdam pilgern, dann haben viele von ihnen konkrete Kaufabsichten. Zwar hockt der
deutsche Konsument nach wie vor eisern auf seinem Portemonnaie, und auch die anstehende
Bundestagswahl wird -- bei welchem Ausgang auch immer -- kurzfristig nichts daran ändern.
Allerdings kombinieren sich allen Unkenrufen zum Trotz und besonders auf der IFA zwei
echte Umsatzbringer: der Trend zu großformatigen Bildschirmen und jener zu High
Definition.
Und -- da war doch noch was… richtig: die Fußball-WM 2006! Angesichts
der beiden Trends trifft es sich aus Sicht der Industrie hervorragend, daß „die
Fußball-WM in High Definition produziert“ werden wird, wie allerorten zu lesen ist.
Kauft HD-fähige Fernseher, so lautet die Nachricht, und ihr seid schon heute für die WM
in HD gerüstet. Um das ein- für allemal richtig zu stellen: „Produziert“ heißt
erstens nicht notwendigerweise „ausgestrahlt“; und „ausgestrahlt“ hieße nicht
zugleich „in Deutschland ausgestrahlt“. Wenn doch, wovon auszugehen ist, heißt das
drittens nicht „umsonst“. Denn die Öffentlich-Rechtlichen, die der FIFA die
Übertragungsrechte abgekauft haben, werden definitiv nur SD ausstrahlen. Fußball in HD
wird daher ausschließlich beim Bezahlsender Premiere laufen. Der zeigt’s viertens nicht
all seinen Abonnenten, noch nicht mal all seinen Sport-Abonnenten, sondern (Stand heute)
nur jenen mit drei gesondert zu berappenden Abos: dem Sportkanal, dem Abo Fußball live
und on top dem Premiere HD-Abo. Fünftens braucht’s selbstredend einen neuen,
HDTV-fähigen Premiere-Decoder, der separat mit ca. 500 bis 800 Euro zu Buche schlagen
dürfte (nähere Infos sind für die IFA angekündigt).
Und sechstens, tja, leider sechstens: Reicht es natürlich nicht aus,
daß sich der so gerüstete Premiere-Fußball-Abonnent irgendein x-beliebiges HD-fähiges
Display (Plasma, LCD-TV, Beamer usw.) fürs Wohnzimmer kauft (oder bereits eines hat).
Nein, es muß ausdrücklich über eine HD-fähige Schnittstelle mit Intels Kopierschutz
HDCP verfügen. Den gibt’s freilich legal und serienmäßig derzeit nur als Bestandteil
der Schnittstelle HDMI und, seltener, in Kombination mit DVI; von diversen, nach deutschem
Urheberrechtsgesetz wahrscheinlich illegalen Geräten wollen wir hier mal nicht reden.
Besitzer HD-fähiger Displays oder Projektoren mit ungesicherter DVI-Schnittstelle oder
gar analogen RGB-Eingängen schauen jedenfalls in die PAL-only-Röhre wie Otto
Normalfernseher.
Dummerweise nun haben Hersteller und Handel noch die Lager voll von eben
jenen HD-Geräten ohne HDCP. Trotzdem werden diese gerade nur zu gerne unter dem
Schlagwort „zukunftssicher“ in den Markt gedrückt -- was dem unbedarften
Käufer suggeriert, sein Gerät sei auch für die WM in HD gerüstet. Selbst unter der
Flagge des „HD-ready“-Logos, das Letzteres eigentlich garantieren soll, schaffen es
solche Mogelpackungen bisweilen in die Regale großer Lebensmittelketten, wo sie zum
angeblichen Schnäppchenpreis rausgehauen werden. Wir können es nur eindringlich jedem
raten: Augen auf beim HD-Kauf, besonders im Messetrubel der IFA.
Um auch hier besser aufzuklären, folgt ComputerVideo ab sofort einem
vielfachen Leserwunsch: Wir werden künftig auch über hochwertige und ausgesuchte
Display-Technologien und -Geräte berichten, besonders natürlich über HD-fähige. Den
Auftakt macht unsere IFA-Vorberichterstattung im News-Teil dieses Heftes; Ihr Feedback zu
dieser thematischen Erweiterung ist uns wie immer herzlich willkommen.
Happy HD-Shopping wünscht
Ihr Roland Schäfer