Editorial CV 5/08:

Hybride
Killer
Smiley    (Bild li.: Wikipedia)

Gehören Sie auch zu den Menschen, die nicht unbedingt mit dem Fernseher im Internet surfen müssen; die keine Mikrowelle mit eingebauter Rezeptdatenbank brauchen; und die getrost auf einen Kühlschrank verzichten können, der selbständig Milch und Eier nachbestellt? Sicher, praktisch wäre das schon, wenn sich der Weinkeller automatisch mit dem Lieblingswein befüllen würde, jedoch: Erstens ist der – entgegen aller Bemühungen der Industrie – noch nicht erfunden, und zweitens: Wo bliebe dann der Spaß, selbst in den Läden die eine oder andere Kostbarkeit zu ergattern?

Wenn Sie allerdings auf derlei Hochgezüchtetes stehen, dann pilgern Sie vom 29.8. bis 3.9. zum neuen Mekka solcher Hybridlösungen, nämlich auf das Messegelände nach Berlin. Denn dort werden Sie die altehrwürdige Funkausstellung, die bis dato größte Messe für Unterhaltungselektronik der Welt, nicht wiedererkennen. Sie werden diesmal nicht nur an LCD- und Plasma-TV, sondern an ganzen Wänden von Kühlschränken, Kaffeeautomaten und Waschmaschinen vorbeilaufen: Die IFA hat sich der sogenannten „Weißen Ware“ geöffnet – gezeigt wird ab sofort alles, was mit Strom funktioniert. So gesellen sich Siemens, Bosch & Co. zu den etablierten UE-Ausstellern; und allein schon, weil die Entscheider und Entwickler beider Branchen dort für eine Woche zusammengesperrt sind, rechnen wir ab 2009 mit dem Schlimmsten: mit tönenden Toastern, fernsehenden Backöfen oder Mobiltelefonen, die als Mixer doubeln…

Doch jetzt mal im Ernst: Es gibt zwei „Crossover“-Gerätetypen da draußen, die Filmern Sorgen bereiten sollten. Würden sie auf breiter Front Realität, so bedeuteten sie das Ende des Camcorders, wie wir ihn kennen. Da wäre auf der einen Seite die filmende, digitale Fotokamera; sie ist schon so weit fortgeschritten, daß es nur eine Frage der Zeit zu sein scheint, wann diese Anwendung zumindest das Segment der Einsteiger-Camcorder ernsthaft bedroht. Zu ähnlich die Basistechnologien, zu groß die Kostenvorteile, zu verlockend die Versuchung für die Tüftler, beide Anwendungen – Filmen hier, Fotografieren dort – zu einem Gerät zu verschmelzen. Tja, praktisch ist das schon, wenn man nicht immer zwei Geräte mitschleppen muß; doch häufig ist so ein Hybrid nicht Fleisch, nicht Fisch, beherrscht also keine der beiden Anwendungen wirklich gut. Im Heft muß ein solches Mischwesen zeigen, wie gut es das Filmen beherrscht – seien Sie gespannt!

Zum anderen aber ist diese Chimäre bereits in Gefahr, selbst schon wieder von einem hungrigen und (nach Stückzahlen) noch viel größeren Rivalen verspeist und damit überflüssig gemacht zu werden: Wir sprechen vom Mobiltelefon. Das ist nun wirklich überall dabei, und Minimalisten unter den Filmern begnügen sich bereits heute damit, wie die Popularität von Abermillionen zumeist anspruchsloser YouTube-Videos beweist. Klar, den Prosumer-Camcorder mit all seinen manuellen Einstellmöglichkeiten wird das Mobiltelefon nie ersetzen können (und wollen); jedoch wurden an manchen der kleinen Quatschkisten schon „echte“ Objektive gesichtet (gar mit optischem Zoom), mit Weißabgleich, Blendenkontrolle, Tonausgängen usw. Läuft die Entwicklung gar auf ein All-in-one-Entertainment-Handy hinaus, ein rechnendes, knipsendes, tönendes Multimedia-Monsterchen mit integriertem TV, Minibeamer und Navi, das dann irgendwo auf der 23. Menüebene auch noch die Funktion „HD-Aufnahme“ beherrscht? Schauder…

ComputerVideo wird auf den Herbstmessen (IFA, IBC, Photokina) die Augen offenhalten nach solchen potentiellen Killer-Hybriden mit Videofunktion – helfen Sie mit! Ihre Hinweise und Entdeckungen sind gefragt, und als kleines Dankeschön für Ihre Wachsamkeit verlosen wir unter allen Einsendungen fünf Jahresabos dieser Fachzeitschrift*. Damit Sie darin auch 2009 noch lesen können, was einen echten Camcorder ausmacht …

Viel Spaß bei der Lektüre dieser CV wünscht

Ihr Roland Schäfer


Herausgeber

 

* Das Kleingedruckte, wie üblich: Einsendungen bitte bis zum 26.9.08 formlos an killer@computervideo.de, per Fax oder Brief an die Redaktion schicken; es entscheidet das Los. Mitarbeiter des Verlages oder ihre Angehörigen nehmen nicht an der Verlosung teil. Eine Wandlung oder Barauszahlung des Gewinnes ist nicht möglich. Wer teilnimmt, erkennt diese Bedingungen an.


Zurück zum Inhalt

Zurück zum Seitenbeginn