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Editorial CV 6/09: Ein Video sagt mehr als 1000 Bilder - oder? |
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Es ist schon ein Kreuz
mit der Informationsvermittlung: Bekanntlich soll ein Bild mehr als tausend
Worte sagen, nun ja. Mal abgesehen davon, daß diese Metapher ähnlich inflationär
benutzt wird wie die von der „Spitze des Eisberges“ – die hätte schon längst in
„die Rundung des Eisberges“ umbenannt werden müssen, so abgegriffen ist sie –
wirft die These dreierlei Fragen auf. Zum ersten die, welche Worte genau das
denn sein sollen, denn ein Bild kann bekanntlich durchaus mehrere
Interpretationen zulassen. Zum Beispiel liegt Schönheit im Auge des Betrachters
(noch so eine Metapher), und das sieht nun mal subjektiv. Wer die Metapher von
den tausend Worten benutzt, behauptet freilich gerade das Gegenteil, nämlich daß
der Sinngehalt des betreffenden Bildes eindeutig sei und daß ein Sachverhalt
sich dem Betrachter dadurch unmittelbar erschließen würde. Wir halten fest: Mal
ja, mal nein – doch auf jeden Fall können Differenzierungen flötengehen.
Was der Betrachter im Bild sieht, hängt außerdem von seiner Vorbildung
ab. Zwar wurden, um das Lächeln der Mona Lisa aufzuschlüsseln, sicherlich
Abermillionen von Worten von vielen sehr klugen Menschen gesprochen und
geschrieben, doch rätselhaft bleibt es weiterhin. Dennoch sieht ein
kunsthistorisch vorgebildeter Mensch andere Dinge in Leonardos Meisterwerk als
Otto-Normal-Louvre-Besucher. Und das Test-Chart eines Camcorders sagt einem der
versierten Tester von CV mehr als einem Nicht-Filmer. Weil letzterer in der
Regel gar nichts sehen wird, würden ihm sogar nur 10 Worte der Erklärung
wesentlich mehr sagen als das Testbild. Wer folglich wie diese Zeitschrift
Informationen an ein unterschiedlich vorgebildetes Publikum verbreitet, ist gut
damit beraten, nicht ausschließlich auf die eine oder andere Art der Information
zu setzen, sondern Wort und Bild zu kombinieren – denn das macht buchstäblich am
meisten „Sinn“.
Nehmen wir die Metapher beim Wort, ergibt sich ein drittes Problem: Wenn
ein Bild schon mehr als tausend Worte sagt, wieviel mal mehr als ein Bild sagt
dann ein Video? Hmm, theoretisch ja mindestens 25 mal 1000 Worte pro Sekunde
(bei PAL), macht 1,5 Millionen Worte pro Minute. Wer je den immergleichen
Drei-Stunden-Urlaubsfilm von Tante Marga und Onkel Fritz durchleiden mußte, der
weiß, daß an der Gleichung irgendwas nicht stimmen kann... Video kann Sinn nicht
nur verschleiern, es kann ihn vernichten – kommt immer drauf an, wie es
aufbereitet wird und für wen. Das ist einer der Gründe, warum Sie in CV in so
vielen Know-how-Artikeln und Workshops lesen, wie Videofilme besser werden
können.
Auf den Punkt getroffen wird die Metapher allerdings durch unseren neuen
Zusatz-Service für CV-Abonnenten: Sie erhalten ab sofort regelmäßig auf der
exklusiven CV-Abo-DVD die Original-Standbilder und -Testvideos aus den
Camcordertests. Damit können Sie sich nun nicht mehr nur anhand der gedruckten
Testbilder im Heft „ein Bild machen“, sondern die abgefilmten Testcharts und
-Setups in der Originalqualität an Ihrem eigenen Rechner begutachten. Los geht’s
mit insgesamt 56 Original-MTS-Dateien der zahlreichen Consumer- und
Prosumer-Camcorder, die wir in diesem und den vorangegangenen Heften getestet
haben. Ist jetzt die Canon besser oder die Sony, die Panasonic oder die JVC?
Oder vielleicht doch die von Samsung? Zusammen mit den Erläuterungen zur
Bildqualität im jeweiligen Testbericht haben Sie ab sofort die perfekte
Vergleichsmöglichkeit und eine wichtige zusätzliche Entscheidungshilfe, falls
ein Kauf ansteht. Soll in der Vorweihnachtszeit ja bisweilen vorkommen… Und wer
seinen Ideal-Camcorder schon gefunden hat und künftig weiterhin regelmäßig
erfahren will, welche Videos mehr sagen als tausend Bilder: CV-Abos lassen sich
prima zu Weihnachten verschenken – die aktuelle DVD mit den Originalclips gibt’s
gratis dazu.
Viel Spaß bei der Lektüre dieser Ausgabe wünscht
Viel Spaß bei der Lektüre dieser CV!
Ihr Roland Schäfer
Herausgeber