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SMPTE sauer auf Microsoft
Zwischen der SMPTE, der altehrwürdigen Society of Motion Picture and Television Engineers, und Microsoft bahnt sich ein handfester Streit in Sachen VC-1 an. VC-1 ist der offizielle Name des SMPTE-Standards, der auf Microsofts proprietärer Windows Media Video 9-Technologie beruht. Um WMV9 als allgemein anerkannten Standard in der Unterhaltungselektronik durchzusetzen, hatte Microsoft WMV9 bekanntlich offengelegt und der SMPTE, die über alle Standards in diesem Bereich wacht, zur gefälligen Verwendung übergeben (s. Editorial CV 4/04 „Der mit dem Wolf tanzt“). Der Hintergrund: Der Branchenriese wollte damit zumindest ebenbürtig neben dem offenen Video-Kompressionsstandard MPEG4 AVC/H.264 (gemeinsam entwickelt von der ITU und MPEG-Firmen; s. dazu bereits Backgrounder in CV 6/02) in den Spezifikationen für die Nachfolgeformate der DVD (HD-DVD und Blu-ray) erscheinen – wenn nicht gar MPEG4 AVC/H.264 ganz aus dem Rennen boxen. Die Rechnung ging zunächst auf: Sowohl das DVD-Forum, das über die Spezifikation der HD-DVD wacht, als auch die Blu-ray Disc Association (BDA), die das Konkurrenzformat Blu-ray Disc verficht, nahmen VC-1 mit in ihre Specs auf – so weit, so gut für Microsoft.
Nun aber zieht Redmond offenbar die Daumenschrauben an. Zum einen haben die Gates-Mannen die Lizenzbedingungen für WMV9 so gestrickt, daß eine Implementierung von VC-1 für viele Hersteller einfach zu teuer würde. Zum anderen hat sich in systematischen Vergleichstests der SMPTE herausgestellt, daß WMV9 keineswegs – wie Microsoft behauptet hatte – MPEG4 AVC/H.264 qualitativ überlegen ist, sondern im Gegenteil in Sachen Kodierungseffizienz hinterherhinkt. Insider berichteten, Microsoft habe den technischen Aufwand für die Standardisierung und Sicherstellung der Kompatibilität zwischen VC-1 und WMV9 massiv unterschätzt. Ein Referenz-Encoder für VC-1, Vorbedingung der Standardisierung, liegt noch immer nicht vor. Ein weiterer Fauxpas: Microsoft erklärte VC-1 kurzerhand selbst schon vorzeitig zum so genannten „FCD” (Full Committee Draft); als FCD wird das Stadium im Standardisierungsprozeß bezeichnet, in das eine Technologie eintritt, direkt bevor sie zum Standard erklärt wird. Die grundsätzlichen technischen Fragen müssen dann freilich bereits geklärt, die Tests abgeschlossen sein. Beides ist bei VC-1 noch nicht der Fall. Außerdem: Selbstverständlich vergibt ausschließlich die SMPTE die FCD-„Weihe“, und nicht der Antragsteller selbst.
All dies hat innerhalb der SMPTE begreiflicherweise zu erheblicher Verärgerung und Frustration geführt. Durch die Querelen könnte sich die Verabschiedung von VC-1 als SMPTE-Standard bis weit ins Jahr 2005 oder gar später hinziehen. Wie CV erfuhr, wird inzwischen sogar hinter vorgehaltener Hand darüber spekuliert, ob VC-1 nicht kurzerhand wieder aus den Standardbeschreibungen herausfliegen sollte. Denn ebenfalls nicht abschwellen wollen die Befürchtungen, Microsoft könne sein Entwicklungsmonopol für WMV dazu nutzen, in künftigen Versionen Features einzubauen, die VC-1 gar nicht erfüllen kann. Somit wäre Microsoft in der Lage, dem Rest der Industrie seine Lizenzbedingungen zu diktieren, falls sie nicht den Anschluß an die technische Entwicklung verpassen will. Wann, wie und ob überhaupt Geräte auf den Markt kommen, die auf der VC-1-Videokompression beruhen, steht damit zum jetzigen Zeitpunkt in den Sternen.

HD-DVD ab Herbst 2005, Blu-ray schon jetzt
Geht es nach NEC, Sanyo und Toshiba, so liegen auch hierzulande HD-DVD-Laufwerke und -Player unterm Christbaum – aber erst zu Weihnachten 2005. Im September 05 will zunächst NEC mit PC-Laufwerken starten, die HD-DVD-ROMs abspielen können. Standalone-Player von Sanyo und Toshiba sollen dann Ende 05 zu Preisen um die 1.000 Euro verfügbar sein. HD-DVD-Recorder und Brenner dauern noch länger: Bisher steht lediglich die Spezifikation für die HD-DVD-RW fest; über die einmal beschreibbare Variante HD DVD-R entscheidet das DVD Forum erst im kommenden Halbjahr. Das Konkurrenzformat Blu-ray Disc (BD) ist hier schon weiter – in Japan. Seit dem 9.12. verkauft Sharp dort seinen Recorder BD-HD100 zum Preis von ca. 3.000 US-Dollar. Er hat nicht nur eine 160GB-Festplatte eingebaut, sondern auch gleich zwei optische Laufwerke, eines für die Blu-ray Disc, eines für die herkömmliche DVD. Der Clou: 4,7GB-DVDs lassen sich direkt auf BD überspielen, deren einschichtige Variante 25GB faßt. Auch Samsung bietet in Korea mit dem BD-R1000 nun seinen ersten BD-Recorder an. Sony liefert seinen Blu-ray Disc-Recorder schon seit April 2003 in Japan aus, Panasonic seit Juli 04.

EBU empfiehlt 720p
Die Europäische Broadcasting Union (EBU) mit Sitz in Genf, der Zusammenschluß der Rundfunkanstalten Europas, hat für die Ausstrahlung von hochauflösendem Fernsehen (HDTV) eine Empfehlung für Progressive Scan ausgesprochen: 720p mit 50 Bildern pro Sekunde sei technisch gesehen derzeit die beste Lösung, so die EBU; auf lange Sicht sei allerdings auch 1.080p/50 eine attraktive Option. Man erkenne freilich an, daß manche Sendeanstalten auch 1080i-Material (Interlaced) ausstrahlen wollten. Da Set-top-Boxen und Fernseher für beide Varianten vorbereitet seien, überläßt es die EBU nun dem jeweiligen Broadcaster, welches Programm sie in welchem Format ausstrahlen wollen. Da es im digitalen Zeitalter keine Notwendigkeit für identische Produktions- und Ausstrahlungsstandards gebe, sei das Votum für 720p für die Ausstrahlung nicht zugleich als Empfehlung für 720p als Produktionsstandard zu verstehen. Von den Broadcast-Herstellern haben sich derzeit JVC und Panasonic auf 720p-Technologien festgelegt, Sony auf 1.080i (www.ebu.ch).


++++ Philips entwickelt neue Wasserzeichen-Technologie für Rückverfolgung ++++ Mit RepliTrack stellt Philips Research eine neues Verfahren vor, mit dem sich individuelle Wasserzeichen in DVD-Inhalte integrieren lassen. Jegliche Kopien derartig geschützter DVDs lassen sich bis zum Ursprung der illegalen Duplizierung zurückverfolgen – egal ob als VHS- oder als Datenkopie. Die Software RepliTrack ist insbesondere für die Massenvervielfältigung (Verlage, Studios) konzipiert und läßt sich – unabhängig vom Ausmaß des Kopiervorhabens – leicht installieren und steuern (www.contentidentification.philips.com).

++++ MPEG4 AVC/H.264 auf dem Prüfstand ++++ Mehr als 30 Mitgliedsunternehmen des MPEG Industrie Forums (MPEGIF) testen derzeit weltweit ihre aktuellen, auf MPEG4-Codecs basierenden Produkte, um die Kompatibilität ihrer Entwicklungen untereinander gewährleisten zu können. Getestet werden Produkte wie Standard Definition und High Definition Video Encoder, Set Top Boxen, mobile Digital-TV-Receiver, videofähige Mobiltelefone sowie zahlreiche weitere Geräte der Unterhaltungselektronik. Im Mittelpunkt stehen dabei das Advanced Video Coding (MPEG4 AVC oder auch H.264) und MPEG4 High Efficiency AAC Audio (www.mpegif.org).

++++ DVD+RW für 8-fache Schreibgeschwindigkeit ++++ Die DVD+RW Allianz hat nun die ersten DVD+RW-Medien und -Brenner angekündigt, die 8faches Tempo beherrschen. Die neuen Discs werden aus einem schnellen Material bestehen, das im Phasenwechsel-Verfahren beschrieben werden kann. Der Laser des Laufwerks muß dazu kurze, hochfrequente Schreibimpulse liefern können, um die optimale thermische Balance zwischen Schreib- und Löschphasen gewährleisten zu können. Die Brenndauer verkürzt sich bei kompatiblen Geräten auf nur noch acht Minuten für eine DVD9. Neue 8X DVD+R DL-fähige Rekorder und Brenner sollen im ersten Quartal 2005 von verschiedenen Herstellern kommen, so die Allianz (www.dvdrw.com).

++++ DVD Forum präsentiert Konzept von DVD-R DL ++++ Auf der Herbstkonferenz des DVD Forums in Japan stand unter anderem das Konzept des DVD-R Double Layer-Standards auf der Tagesordnung. Seine Eigenschaften orientieren sich eng an denen von DVD-R. So sollen derartige Medien z.B. eine Datenmenge von 8,54 GB (12cm Disc) bzw. 2,66 GB (8cm Disc) fassen und in jedem DVD-R-Gerät wiedergegeben werden können. Die ersten DVD-R-DL-fähigen Brenner, die auf den Markt kommen werden, sollen der A09 von Pioneer und der ND-3520A von NEC sein, die beide für Dezember angekündigt sind. Beide werden bei DVD-R DL eine 4fache Schreibgeschwindigkeit beherrschen (www.dvdforum.org).

++++ Ricoh stellt Brenner ein ++++ Ricoh gibt die Fertigung von Laufwerken und Key-Komponenten für die Produktion optischer Laufwerke auf. Angesichts des extremen Preisverfalls in diesem Marktsegement und sinkender Gewinne sei eine eigene Brenner-Produktion nicht mehr rentabel, so das Unternehmen. Zwar werde man weiterhin Laufwerke unter eigenem Namen vertreiben, doch die kämen dann von Fremdherstellern. Auch das Geschäft mit Medien will Ricoh fortsetzen, ebenso die Erforschung und Entwicklung künftiger optischer Speichertechnologien wie Blu-ray Disc oder HD-DVD. Ricoh hatte zu den Pionieren bei der Entwicklung des DVD+R-Formats gehört (www.ricohpmmc.com).

++++ Panasonic lizenziert MPEG-Codec von MainConcept ++++ MainConcept hat in Japan einen großen Coup gelandet: Die MPEG1/2-Codec-Technologie der Aachener Softwareschmiede wurde von der Panasonic AVC Network Company lizenziert. Die erst Anfang Januar 2003 gegründete PAVC plant, die Codecs in hauseigene Videoschnitt- und DVD-Authoring-Systeme zu integrieren. Dazu gehören u.a. die Programme MotionDV Studio V5.2 und DVDfunStudio V2.0 (www.mainconcept.de).

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