| (Voller Artikel mit allen Bildern und Tabellen im aktuellen Heft) Flach, klein, trendig: Die Highlights der IFA starten das
Weihnachtsgeschäft |
Kann es denn sein, daß 1.000 Aussteller ein gemeinsames Thema
verabreden? Nicht wirklich -- dennoch schien es beinahe so, als hätte auf der
Internationalen Funkausstellung eine unsichtbare Regie die Strippen gezogen:
Flachbildschirme an den Ständen, so weit das Auge reichte. Ob nun Plasma- oder
LCD-Technologie dahinter steckte, war vollkommen egal, nur möglichst groß mußten sie
sein. Was die Messe dem Videofilmer gebracht hat, faßt unser Rückblick zusammen.
Schon beinahe penetrant beherrschten die Flachmänner selbst die Messestände jener
Aussteller, die aber auch partout nichts mit Displays zu schaffen hatten. Kabelhersteller
-- 70-Zoll-Plasmas am Stand, Lautsprechervertrieb -- riesige LC-Displays, Internetprovider
-- das gleiche Bild. Ob sich der durchschnittliche Messebesucher solch edle Displays nun
leisten konnte oder nicht -- bei Preisen ab 4.000 Euro aufwärts, ohne Limit nach oben, in
der Regel eher nicht -- war dabei nebensächlich. Das Hauptziel war erreicht:
Unterschwellig Lust auf Technik wollte sie machen, die IFA, ein positives Klima schaffen
für die privaten Investitionen im Vorweihnachtsgeschäft, und dieses Ziel hat die
Leitmesse der Unterhaltungselektronik absolut erreicht.
Stolz präsentierte die Messeleitung denn auch die Zahlen. Erstmals konnte sie mehr als
1.000 Aussteller vermelden, und es kamen an nur mehr 6 Messetagen -- die IFA 01 hatte noch
9 gehabt -- insgesamt 270.000 Besucher, pro Tag etwa 5.000 mehr als 2001. Drei von vier
Ausstellern, so ein Umfrageergebnis, beurteilten ihr geschäftliches Ergebnis mit sehr
gut, gut oder zufriedenstellend, ebenfalls 75 Prozent der Aussteller erwarteten ein gutes
Nachmessegeschäft. Ob das nun tatsächlich die herbeigesehnte Trendwende darstellt oder
lediglich ein saisonbedingtes Zwischenhoch, ist eher nebensächlich. Wichtig ist: Der
Negativtrend bei den einschlägigen Messen ist gestoppt (auf der Profimesse IBC in
Amsterdam zeigte sich ein ähnliches Bild, s. umseitig), Hersteller und Handel sind
optimistisch, und jetzt müßte eigentlich nur noch der Kunde mitspielen
Ob der Kunde überhaupt in die Tasche greift, hängt in erster Linie von den Produkten ab,
und Neuheiten gab es gerade im Videosektor reichlich. Die großen Themen hatte bereits
unser Vorbericht in CV 5/03 verraten, und die dort vorgestellten Produkte waren allesamt
in Berlin zu bestaunen: DVD- und Festplatten-Recorder in jeder nur erdenklichen
Kombination, Ausführung und Preislage, DVD- und Progressive-DV-Camcorder für den
Heimanwender sowie neue Hardware und Software für den Videoschnitt. Zudem gewinnt ein
weiteres Thema immer mehr an Fahrt, das auf der IFA mit jeder Menge Hardware und Software
von kleinen und großen Herstellern bedacht wurde: das Thema Heimnetzwerke. Dank ihnen
sollen in Zukunft Medieninhalte aller Art in jedem Raum des Hauses verfügbar sein,
gespeichert und archiviert werden.
DVD-Recorder und PVRs
Kombis aus DVD-Recorder und einem Personal Video Recorder (PVR) mit
Festplatte werden als eine der Killer-Anwendungen für das 2003er Vorweihnachtsgeschäft
gehandelt, und das zu Recht: Schließlich ist es ungemein praktisch, die Harddisk des PVR
als temporären Speicher für Fernsehprogramme zu nutzen, das subjektiv Uninteressante
auszufiltern und schließlich nur das in originaler Qualität und preisgünstig auf eine
DVD aufzunehmen, das dauerhaft archiviert werden soll. Die DVD-mit-PVR-Kombi räumt zudem
mit den Geburtsfehlern der Einzelgeräte auf: Bei den reinen DVD-Recordern
muß auch für weniger Interessantes gleich ein Rohling geopfert werden. Den
Standalone-PVRs wiederum fehlt die direkte Möglichkeit zur Archivierung, und bei voller
PVR-Platte müssen die wichtigen Inhalte dann doch wieder auf den PC, einen separaten
DVD-Recorder oder gar analog auf Videoband ausgegeben werden.
Kein Wunder also, daß zahlreiche Hersteller diesen neuen Kombi-Markt bevölkern. Einige
der Neuheiten kennen Sie bereits aus CV 5/03, wie zum Beispiel Panasonics Flaggschiff
DMR-E100H mit 80GB-Platte; sämtliche DVD-Recorder von Panasonic sind nun im übrigen in
der Produktfamilie Diga zusammengefaßt.
Pioneers DVR-5100H (ab November, 1.199 ) ist nur noch 69 Millimetern hoch, auf seine
80GB-Festplatte passen bis zu 102 Stunden Filmmaterial. Gleichzeitiges Abspielen und
Aufzeichnen auf demselben oder verschiedenen Datenträgern ist ebenfalls möglich
(Chase-Play). Mit der Disc Backup-Kopierfunktion kann er zudem eine 1:1-Kopie einer DVD
erstellen. Durch seine DV In/Out-Schnittstelle und seine integrierten Schnittfunktionen
eignet er sich zum bildgenauen Videoschnitt. Außerdem spielt er MP3, WMA-und JPEG-Dateien
ab. Bis auf die Festplatte hat der kleine Bruder DVR-3100 die identische Ausstattung (699
, ab Oktober). In einer Ecke zeigte Pioneer übrigens hierzulande erstmalig den
PRV-LX1, ein Profigerät mit Linux-Betriebssystem. Es kann parallel auf DVD-R/RW und seine
120GB-HD aufnehmen. In den USA ist es bereits seit Juni für 3.995$ erhältlich; ein
optionaler zweiter DVD-R/RW-Drive dafür kostet 495$.
Bei den reinen DVD-Recordern gab es ebenfalls zahlreiche Neuheiten. Sonys
Multiformatgerät RDR-GX7 (DVD-RW/+RW und -R) kennen Sie bereits aus unserem Test in CV
4/03. Sein kleinerer Bruder RDR-GX3 (800 , s. aus dem IFA-Vorbericht in CV 5/03)
nimmt ebenfalls auf DVD-RW, -R und +RW auf. Seine Stärke liegt in der Aufnahme von
Fernsehprogrammen, er hat eine ausgeklügelte Fernbedienung und dieselbe grafische
Menüführung wie der RDR-GX7. Keine Selbstverständlichkeit: Beide geben Bilder so gut
wieder wie Sonys Highend-DVD-Player. Ein 12-Bit/108-MHz-Video-Digitalanalogwandler setzt
das digitale Signal optimal um und sorgt für ein klares Bild am Fernseher oder Projektor.
Den Vogel allerdings schoß JVC mit seinem Progressive-Konzept ab. Dabei verfügen
DVD-Recorder, DVD-Player und Camcorder über einen Prozessor, der Standard-TV-Signale in
progressive Signale umwandelt. TV-Geräte und Bildschirme sind in der Lage, diese
Qualität über progressive Komponenteneingänge hochauflösend darzustellen. Der
zugehörige PAL-Progressive-DVD-Recorder DR-M1 (699 ) brennt Filme im DVD-RAM-,
DVD-R- oder DVD-RW-Format in vier Qualitätsstufen auf die Disc. Über seinen
Komponenten-Ausgang gibt er laut auf Wunsch Bilder in Kino-Qualität (625/25p)
wieder. Zudem spielt er Formate Audio-CD und CD-R/-RW, JPEG und MP3 ab und verfügt im
DVD-RAM-Modus über Timeshift. Ansonsten ist der DR-M1 auch Bestandteil des kompletten
Home Cinema Systems QP-ES9.
Toshiba hat ebenfalls ein Eisen im Feuer: Der D-R1, ein Dual Standard-DVD-Recorder
(DVD-RAM, DVD-R/RW), verfügt über nette Features wie zeitversetztes Fernsehen, eine
1,3fach beschleunigte Wiedergabe mit Ton (Catch-up), Firewire-Eingang und eine Steuerung
für angeschlossene Camcorder. Der Clou: Wie der JVC DR-M1 kann auch Toshibas D-R1
DVD-Video über seinen Komponentenausgang im Progressive-Modus ausgeben. Ausgeliefert wird
ab Dezember für 799 . Dagegen wird das Kombi-Gerät RD-XS31 mit
80GB-Seagate-Festplatte laut Toshiba auf NTSC-Länder wie Japan und USA beschränkt
bleiben; erst sein Nachfolger kommt nach PAL-Europa.
Das DVD-R/RW-Recorder-Line-up von Sharp besteht derzeit aus drei Geräten: Die zwei
kombinierten Festplatten-DVD-Recorder DV-HR350S (1.299) und DV-HR300S (1.199)
mit Time Shift-Funktion sowie der DVD-Recorder DV-SR3S (549) kommen von Januar bis
April auf den deutschen Markt. Die beiden Kombis sind ultraflach (nur 59 Millimeter
Bauhöhe) und mit Festplatten von 120 und 80 GB ausgestattet. Damit passen 28 (bzw. 19)
Stunden Aufnahme in höchster Bildqualität und 165 (bzw. 110) Stunden im EP-Modus
(Extended Play) auf die Platten. Außerdem können DVDs auf die Platte kopiert werden,
sofern sie nicht durch einen Macrovision-Kopierschutz geschützt sind.
Thomson kam mit zwei Geräten aus der Scenium-Serie nach Berlin, die für Videocutter
interessant sind: Der DTH 8000, Thomsons erster DVD-Recorder zeichnet bis zu 8 Stunden auf
DVD+R/RW-Medien auf. Weitere Features sind die MP3-Wiedergabe, Dolby Digital 5.1,
TruSurround, ein Programm zur digitalen Rauschunterdrückung sowie ein USB-Anschluß für
Lesegeräte von Speicherkärtchen. Zum Preis von 799 wird er bereits ausgeliefert.
Der DTH 7500 dagegen -- er kommt Anfang Januar, der Preis steht noch nicht fest -- ist ein
Festplattenrecorder und eingebautem DVD-Spieler. Seine 80GB reichen für ca. 120 Stunden
Fernsehaufnahme, parallel können DVDs oder ein zweites Programm angeschaut werden. Auch
er hat den USB-Anschluß.
Ein ähnliches Gerät zeigte Kiss aus Dänemark: Der DVD-Player DP-508 hat eine
80GB-Platte integriert, der DP-558 (s. Vorbericht in CV 5/03) zusätzlich einen TV-Tuner
für 40 Stunden Non-Stop-Aufnahme in DVD-Qualität. Preise standen noch nicht
fest. Den DVD-Recorder DRP-560 des STB-Herstellers Humax aus Korea kennen Sie ebenfalls
aus unserem IFA-Vorbericht.
Im übrigen hüten sich die Marktteilnehmer, ein bestimmtes Wort überhaupt nur in den
Mund zu nehmen: Blu-ray. Solange die DVD-Recording-Welle noch anläuft, sind Aussagen zu
einem wie auch immer gearteten Nachfolger tabu. Könnte ja sein, daß der Markt sonst
mitbekommt, daß die Blu-ray Disc bereits prächtig funktioniert, ein Vielfaches der
aktuellen, (wieder)beschreibbaren DVD faßt und in Japan bereits seit Jahresbeginn von
Sony verkauft wird. Auf unsere Nachfragen auf der IFA erhielten wir zur Antwort, das seien
doch alles reine Profigeräte, und eine Einführung für Massenmärkte sei nicht in Sicht.
Daß dies rein marktpolitische Gründe hat, sagt niemand.
Wiederauferstanden aus den Ruinen der Insolvenz ist die Firma Schneider, die sich erstmals
unter dem Dach der Muttergesellschaft TCL auf der IFA präsentierte. Der gemeinsam mit der
FAST TV-Server AG entwickelte Personal Video Recorder (PVR) hört jetzt auf den Namen
prime_TIMER II. Die vergrößerte Festplatte bietet bis zu 100 Stunden
Aufnahmekapazität. Als elektronischer Programmführer ist FASTs Onlinedienst TVTV
installiert. TVTV kann welteit über das Internet fernprogrammiert werden. Der
Serienassistent Guido sorgt dafür, daß wiederkehrende Sendungen auf Wunsch
automatisch aufgezeichnet werden. Für 749,90 wird der prime_TIMER II bereits
ausgeliefert.
Apropos PVR: Mittlerweile ist die Anwendung im TV-Gerät selbst angekommen. Mehrere Firmen
präsentierten Fernseher, die durch Einsteckkarten mit einer Festplatte und
Timeshift-Funktionalität erweitert werden können. So hat der TV-HDR von Metz (999
) wieder das TVTV-System von FAST TV-Server mit an Bord. Auch der Zusatzservice TVTV
PLUS wird im Abonnement angeboten (zu 5 im Monat oder 55 im Jahr), mit dem
das TV-HDR-Modul per Internet fernprogrammiert werden kann. Samsung hat ebenfalls ein
entsprechendes TV-Gerät im Angebot: Beim WS-32 Z108R mit 81 cm Diagonale ist der
Festplattenrecorder im Preis von 2.499 bereits enthalten.
Camcorder
Kaum Überraschungen gabs an der DV-Camcorderfront. Wo auf der CeBIT
neue Geräte gleich im Dutzend auf den Markt geworfen werden, herrschte in Berlin
gähnende Leere: kein einziges Gerät, das nicht schon vorab bekannt gewesen wäre.
Ausnahmen waren JVCs GR-PD1, der erste Progressive-Camcorder der Welt für Consumer, sowie
Sonys Micro-MV-Camcorder DCR-IP1. Bei den DVD-Camcordern blieb es ebenfalls bei den
bekannten vier Geräten von Hitachi, Panasonic und Sony (s. Vergleichstest in CV 5/03). Wo
aber DV und DVD ausfielen, sprangen die Hersteller munter mit erfrischenden MPEG-Kameras
in die Bresche.
Allen voran stürmte Panasonic mit seiner D-snap-Produktfamilie, in der sich momentan drei
Geräte tummeln: Die D-snap SV-AV100 ist der erste MPEG2-SD-Camcorder der Welt. Mit der
Grundfläche einer Kreditkarte (und einem Gewicht von gerade mal 156 Gramm erreicht er im
MPEG2-Standard (DVD-Qualität) mit 800.000 Pixel-CCD und 10fachem optischen Zoom laut
Panasonic das Niveau der bisherigen großen DV-Camcorder; alternativ sind die
MPEG-4-Aufzeichnung und Schnappschüsse mit 640 x 480 Pixeln möglich. Über eine
mitgelieferte Basisstation -- sie dient zugleich als Ladegerät -- lassen sich die
Aufnahmen an TV-Geräte oder über USB an den Computer übertragen. Im Lieferumfang
enthalten ist eine 512MB SD Memory Card mit einer Datenübertragungsgeschwindigkeit von
10MB/Sek., auf der sich bis zu 20 Minuten Video im MPEG-2-Format oder mehrere Stunden
MPEG-4 aufzeichnen lassen (1.299 , ab Oktober).
Die SV-AS10 macht als nur 1 Zentimeter dünne Digitalkamera Fotos mit 2 Megapixel; sie ist
in verschiedenen Trendfarben erhältlich und hat einen MP3-Player integriert (329 ,
ebenfalls ab Oktober). Alle Funktionen lassen sich über einen Jogball steuern, außerdem
ist ein Lautsprecher eingebaut. Dritte im Bunde ist das Allroundtalent SV-AV20 (s. News CV
3/03), die filmen, fotografieren, Musik abspielen und Sprach-Memos aufnehmen kann (449
, seit Sommer erhältlich).
Mustek zeigte seinen DV 4000, einen multifunktionalen Digital-Camcorder im Miniformat. Das
Leichtgewicht (94g) hat einen 2-Megapixel-CMOS-Bildsensor, mit dem es Bildauflösungen bis
4-Megapixel realisiert (Hardware-interpoliert). Video-Clips können mit maximal 640 x 480
Pixel bei 10 fps oder mit 352 x 288 Pixel bei 30 fps (Standardfunktion) aufgezeichnet
werden. Zur Datenspeicherung stehen die Dateiformate JPEG, ASV, MP3 und WAV zur
Verfügung. Das 5-linsige Glasobjektiv mit Brennweite 8,5 (entspricht 44 mm bei Kleinbild)
erlaubt in Makrofunktion Nahaufnahmen bis 30 cm. Die DV 4000 ist seit September für 199
im Handel.