Digital or Die
Von Roland Schäfer
NAB 99: Die Zukunft des Fernsehens hat schon begonnen Wer vor der NAB noch Zweifel hatte, wohin Fernsehen, Radio und all die anderen "Digital Pipes" ins schöne neue Heim steuern werden, sah hinterher klarer. Die Broadcastmesse im Spielerparadies Las Vegas, Nevada, wurde zum grandiosen Technologie-Kickoff fürs nächste Jahrtausend.
Las Vegas rief, und alle kamen: Die Umstellung der US-Fernsehindustrie auf DigitalTV trieb die Broadcaster in Scharen auf die NAB.
Die Messen der Fernseh- wie aller anderen Branchen sind nicht gerade bekannt für ihre leisen Töne. Klappern gehört zum Geschäft, und besonders im Mutterland des Marketing wird getrommelt, übertrieben und geschönt, was das Zeug hält. Was allerdings Howard Stringer, seines Zeichens Chef der Sony Corporation of America, in seiner Keynote-Rede für die Presse an starken Worten fand, war an Radikalität kaum mehr zu überbieten und beschreibt doch die Situation der Industrie aufs Trefflichste: "It’s digital or die", frei zu übersetzen etwa mit: "Werdet digital, oder laßt euch begraben."
Gemünzt war die Parole de force auf die Fernsehanstalten im engeren, auf alle Fernsehschaffenden -- Studios, Freiberufler, Dienstleister -- im weiteren Sinne: Wer jetzt den Anschluß an die digitalen Technologien verpaßt, verschläft, ignoriert, der wird schon in Kürze aussterben wie ein analoger Dinosaurier. Denn das Zusammenwachsen von Unterhaltungselektronik, Computer und Internet schafft Chancen und Potentiale, die mit traditioneller Arbeitsweise und herkömmlichem Denken nicht zu meistern sind -- Stichwort Home Networking (s.a. Special Report dazu ab S. 17): "Bei Sony sehen wir das Digital TV-Gerät als die Schaltzentrale für das digitale Heimnetzwerk," so Stringer. Führte das analoge Pantoffelkino früher nahezu zwangsläufig zum passiven Fern-Seher, zur "Couch potato", so soll die intelligente Glotze von morgen den aktiven Nutzer hervorbringen, der sich lustvoll-interaktiv durch die Angebote klickt. Der Übertragungsweg dafür: 1394-FireWire.
MPEG-2: Small is beautiful
Ebenso wie die Säugetier-Nachfolger der Saurier, so sind auch die Folgetechnologien der analogen Fernsehriesen flexibel, wendig und effizient. Small is beautiful: MPEG-2 ist zu einem Siegeszug sondergleichen aufgebrochen. Der Videostandard der Zukunft erreicht in seinen Distributions-Varianten selbst bei niedrigen Datenraten von 2-4mbps (Megabit pro Sekunde, etspricht 250-500KB/s) noch eine Qualität, die deutlich über jener von VHS liegt. Auch DVD setzt daher auf MPEG-2, weil so ein Maximum an Videoinformation auf eine Silberscheibe paßt, sogar ganze Spielfilme. Da Bandbreite weltweit eine knappe und gesuchte Ressource ist, haben sich sämtliche Gremien auf MPEG-2 als Standard für die Distribution von Video geeinigt (ComputerVideo berichtete). Ob vom Satelliten oder übers Kabel, ob aus der Set-Top-Box, übers Internet oder von der DVD, die Verbreitung von Video wird bis lange ins nächste Jahrtausend hinein auf MPEG-2 beruhen.

William Kennard, Chairman der US-Regulierungsbehörde FCC, malte die Zukunft der Broadcast-Branche in eher rosigen Farben.
Im Land der Freiheit hat der "Große Bruder" der Fernsehindustrie, die Regulierungsbehörde FCC, diese Entwicklung schon vor Jahren mit gar nicht so sanfter Gewalt erzwungen. Wer als Fernsehstation -- und davon gibt in den USA mehr als 1.700 -- im Jahre 2002 nicht digital ausstrahlt, verliert seine Sendelizenz, so einfach ist das. Vom Wohl und Wehe der Sender wiederum hängt die gesamte Studio- und Fernsehindustrie ab. Auf der NAB war folglich der enorme Druck spürbar, unter dem die TV-Profis stehen: Einerseits zwingt der FCC-Ukas zum Handeln, sprich: Kaufen, andererseits herrscht noch Verwirrung über Kompatibilitäten, Schnittstellen, wechselseitige Abhängigkeiten, Arbeitsabläufe und Budgets sowie schlichtweg Angst über die Konkurrenz seitens der Breitband-Internetfirmen. Schließlich setzen jene gerade zum Sprung an vom PC auf den Fernseher, siehe WebTV.
FCC-Chairman William Kennard befleißigte sich bei seiner traditionellen NAB-Ansprache nach Kräften, die Zweifel zu zerstreuen: Die Fernsehindustrie sei bestens positioniert, weil sie ja bereits über einen 20 Megabit-Kanal in quasi jedes amerikanische Wohnzimmer verfüge (das TV) und zudem über eine Ressource verfüge, die noch knapper ist als die Bandbreite: die Programme nämlich. Was eigentlich (außer der Sende-Umstellung versteht sich) nur noch fehle, sei die Etablierung eines interaktiven Rückkanals von den Haushalten zum Sender. Denn nur so könne "Entertainment on Demand" Realität werden, könnten Daten jeder Art in beiden Richtungen fließen. Am liebsten natürlich jene der Kreditkarte des Kunden, so möchte man hinzufügen ...
Allianzen: Jeder mit jedem
Wo die Weichen derart deutlich gestellt sind, gibt es bei den Herstellern kein Halten mehr. Die Entwicklungsabteilungen hüben wie drüben brummen auf Hochtouren, nicht ein einziger wichtiger Anbieter traute sich ohne ein "Ja zu MPEG" auf die NAB.
Für Wirbel in der Gerüchteküche sorgten besonders Sony und Avid, und zwar mit der Ankündigung einer Allianz zur gemeinsamen Entwicklung von MPEG-basierten NLE-Produkten (non-linear editing) für News-Anwendungen. Aufbauend auf Avids Newscutter, soll das System nahtlos mit Sonys DVCAM-Schiene zusammenarbeiten. Als zweites Produkt wurden Post-Produktionssysteme für High Definition-TV angekündigt, namentlich für 24P (die Wiederholfrequenz von Zelluloid-Film, 24 Bilder pro Sekunde progressiv) und für Broadcast-News.
Die Ankündigung ist insofern pikant, als beide bisher mit rivalisierenden Firmen liiert waren: Sony mit Fast Multimedia (siehe Schnittsystem ES-3, Test in CV 2/99) und Avid mit Panasonic (diverse DVCPRO-Lösungen). Sony beeilte sich, in einer nachgeschobenen Pressemitteilung zu versichern, daß von der neuen Kooperation die bestehenden Partnerschaften nicht tangiert würden, namentlich nicht jene mit Fast.
Die Ankündigung mag zudem als Beleg dafür dienen, daß die altbekannten Fronten im digitalen Zeitalter aufweichen. Sony hat sich schon seit längerem die "offenen Systeme" auf die Fahnen geschrieben und setzt auf Kompatibilität, wobei Sony-Mann Stringer wieder dafür einen markigen Spruch parat hatte: "Entweder kommen wir alle gemeinsam voran -- oder überhaupt nicht." Eine erste Frucht dieser Strategie ist z.B. der Taperecorder DSR-2000: Er kann alle DV-Formate ohne Adapter abspielen, ausdrücklich auch DVCPRO-25-Bänder des Rivalen Panasonic, und ist zudem pre-read-fähig bei allen Formaten.
Der Kalte Krieg -- vorbei? Die Foren Pro-MPEG und DV-Family Inter-OpGanz allgemein ist dem Standard MPEG ein bisher nicht gekannter Grad der Kompatibilität zwischen Geräten verschiedener Hersteller zu verdanken: Im Pro-MPEG-Forum (s. Bericht in CV 6/98) sind knapp 40 Anbieter von MPEG-Produkten vertreten unter Führung von Sony. Die erste "Pro-MPEG Demo" des Forums im Obergeschoß des Las Vegas Convention Centers (LVCC) bestand aus einer kompletten Produktionsumgebung mit Geräten von etwa 20 Herstellern. Darin liefen von der Materialakquisition (z.B. mit der NEC DiskCam) über Server und Wide-Area Networks (HP, NDS, Thomson u.a.) sowie Editing (Fast, HP, Pro-Bel, Quantel, Sony) bis zu Play-Out (Tektronix u.a.) und Distribution (Barco, Leitch, Philips u.a.) sämtliche Datenströme und Operationen im MPEG-2-Format. Für die Dateitransfers wurden u.a. SDI, SDTI/50 und HDSDI enutzt. Die Demo lief trotz beträchtlicher Hitzeentwicklung (Abluft unter niedriger Decke) nahezu reibungslos ab und kann daher als voller Erfolg gewertet werden.
"Was Sony kann, können wir schon lange", mögen sich die Panasonic-Messestrategen im Vorfeld gedacht haben, und riefen flugs eine Parallelveranstaltung ins Leben, die unter dem Forum-Namen "DV-Family Interoperability" 16 DVCPRO-Partnerfirmen an einem separaten Stand vereinte. Anhand der Geräte von acht dieser 16 Firmen (Avid, EMC2, JVC, Panasonic, Pluto, Quantel, SGI und Tektronix) demonstrierte man den Transfer von DVCPRO, DVCPRO50 und D9 (Digital-S) über den neuen SDTI-Standard SMPTE 305M (s. CV 6/98) für komprimiertes Broadcast-Video.
Aber wie das Beispiel Sony-Avid zeigt, sind die beiden großen Herstellerblöcke (hier Sony mit DVCAM und MPEG-2, dort Panasonic mit DVCPRO) längst nicht mehr so hermetisch gegeneinander abgeriegelt wie früher. Zahlreiche Inter-Op-Teilnehmer (z.B. C-Cube, Gennum, JVC, Matrox, Pinnacle, Quantel, Tektronix) sind gleichzeitig Mitglieder im Pro-MPEG-Forum -- und tanzen somit auf beiden Hochzeiten. Und natürlich möchte auch Panasonic auf den MPEG-Märkten von morgen dabeisein: Parallel zu DVCPRO hat Panasonic zum Beispiel mit beträchtlichem Aufwand das hauseigene, Hollywood-taugliche DVD Authoring-System (Basiseinheit zu 135.000 US-Dollar) weiterentwickelt (jetzt Version 3.3), das schließlich von A bis Z auf MPEG-2 aufsetzt. Das MPEG-2-KnowHow ist also bereits im Haus.
Stein des Anstoßes: Avid Media Composer -- künftig nur noch für NT?
Avid: Das Mac-DesasterNeben dem Abkommen mit Sony sorgte NLE-Marktführer Avid noch für weitere Schlagzeilen, diesmal freilich ungewollt. In einer NAB-Pressemitteilung der Company, die quasi ausschließlich mit Macintosh-Systemen zu ihrer heutigen Bedeutung gekommen ist, war zu lesen, daß zwar die Version 8.0 des Avid-Flaggschiffes Media Composer XL für Mac und Windows NT im 2. Quartal ausgeliefert werden solle, die Auslieferung der Version 9.0 im 3. Quartal allerdings nur für NT geplant sei. Auf Nachfrage erhielten die Mac-User zur Antwort, der Media Composer werde nach der Version 8.0 nur noch für Windows NT weiterentwickelt.
Kaum war das Wort draußen, bereute man es schon -- zu spät: Ein Sturm der Entrüstung brach weltweit über Avid herein, die Mac-Anwender fühlten sich von "ihrer" Company verraten und verkauft, spürten schon den Dolchstoß im Rücken. Hochgepeitschte Emotionen, die Situation außer Kontrolle -- ein Kommunikations-Desaster für Avid. Zwar bemühten sich Avid-Chef Bill Miller und seine Getreuen umgehend um Schadensbegrenzung, später folgte ein klares Dementi. Doch der Verdacht ist in der Welt, er wird Avid lange anhängen, so aufrichtig die Company jetzt wieder (oder immer noch) zu ihren Mac-Kunden steht.
Neues Komplettsystem für DV-Einsteiger inkl. IBM-Workstation: Avid ShowBiz Producer.
Die Aufregung ließ die zahlreichen Produktankündigungen von Avid (neben dem Media Composer XL 8.0/9.0) in den Hintergrund treten: Unity (ein gemeinsames Storage-System für alle Avids), Symphony 2.0 (neue Version des High-End Finishing-Systems, 24P-Unterstützung, Avid Xpress 2.1, 3.0 und Plus (NLE-Systeme, alle für NT) inkl. Uncompressed-Unterstützung, Softimage Marquee 1.5 (3D-Title Animation), und last not least den Avid ShowBiz Producer, eine komplette DV-Editing-Station für unter 10.000 Dollar. Der Producer, bestehend aus Avids Schnittsoftware und einer DV-Capturekarte (mit 1394-Anshlüssen), ist in einem IBM IntelliStation-PC vorinstalliert. Das Einsteigerprodukt soll im Herbst ausgeliefert werden.
Die Nonlinearen
Discreet, deren Stand erstmalig mit jenem der neuen Muttercompany Autodesk vereint war, zeigte sich auf der Messe überaus zufrieden. Zum einen habe man, so Discreet-Deutschland-Geschäftsführer Peter Mahlmeister, dort mit etablierten High-End-Tools frost*, flint*, inferno* und fire* zahlreiche Aufträge schreiben können. "Die nächsten 12 Monate werden von dem Thema ‚Workflow‘ bestimmt werden, besonders bei den großen Post-Production-Häusern," so Mahlmeister. Zum anderen ist durch die Übernahme der Animations-Bestseller 3D Studio MAX zu einem Discreet-Product geworden, wodurch sich echte Synergien mit dem NT-NLE-Produkt edit* und anderen ergeben. In diesem Umfeld wird von Discreet einiges zu erwarten sein.
Matrox stellte mit der DigiSuite DTV den Nachfolger seines bekannten Schnittsystems unter Windows NT vor. Was bisher auf Motion-JPEG basierte, ist jetzt offen für sämtliche Formate: Zweikanal-Editing in Echtzeit plus 32-Bit-Grafikkanal mit DV mit 25 wie 50mbps (auch im Mischbetrieb), natives MPEG-2 in den Varianten 4:2:2P@ML, I-Frame only (bis 50mbps pro Kanal) und MP@ML. Ermöglicht wird diese Formatvielfalt durch die Verwendung des neuen C-Cube-Chips DVXpress-MX (Vorstellung siehe CV 6/98), der zudem die Transkodierung zwischen DV- und MPEG-Varianten übernimmt und konstante wie variable Bitraten beherrscht. Selbstverständlich können zusätzlich die herkömmlichen Analogsignale (Composite, Y/C, YUV) standardmäßig eingesetzt werden, ebenso wird Balanced und Unbalanced Audio unterstützt. Als Sahnehaube packt Matrox noch die DVD-Authoring-Software DVDit! von Sonic Solutions obendrauf -- DigiSuite DTV kann somit Audio und Video direkt auf DVD wegschreiben.
Optional sind die Interfacekarten: 1394 zusammen mit einem UW-SCSI-Controller (Adaptec HotConnect 8945), eine SDI-Karte mit AES/EBU Digital Audio sowie eine SDI/SDTI-Kombikarte für den Faster-than-Realtime-Datentransfer von komprimiertem Video sowie acht Embedded Audio-Strömen. Die Version 1.0 der DigiSuite DTV wird in PAL-Europa Anfang August zum Preis von 11.980 Mark (Listenpreis netto) erwartet. Im 4. Quartal soll SDTI zum Preis von knapp 8.000 Mark folgen. Die 3D-DVE-Option für die DTV ist in der Hardware identisch mit jenen der DigiSuite/LE und liegt aktuell bei 11.980 Mark.

Pinnacles neuer Videoserver Thunder kommt mit eigenem Interface zur Verwaltung von Mediafiles daher, gibt Details und Keywords zu jedem Clip an und bietet eine Thumbnail-Vorschau.
Pinnacle: Neuer Video-Server "Thunder"
Mit noch einmal erhöhtem Drehmoment präsentierte sich Pinnacle Systems. Mit einem frischen Stock Split (2:1; s.a. Company News in diesem Heft) und der Übernahme von Truevision im Rücken (CV berichtete) stellten die Kalifornier nicht weniger als 12 neue Produkte auf der NAB vor. Das wohl wichtigste ist der Video-Server "Thunder", den es ab Jahresende als Zweikanal-Version MCS 2000 (ab 52.500 US-Dollar), als Vierkanal-Version MCS 4000 sowie als Internet-Videoserver namens iThunder für Echtzeit-Webcasting (für unter 10.000 Dollar) geben wird. Für die leistungsstarke Familie gab’s prompt die NAB-Auszeichnungen "Pick-hit of the Show" und "Best of Show".
Auszeichnungen räumte ferner das neue MPEG-2-Schnittsystem (Zweikanal-Echtzeit ab, das wir bereits in der letzten Ausgabe vorstellten (Test in CV 5/99). Es zerfällt in zwei Versionen, die sich lediglich in der Bundling-Software unterscheiden. Während der DC1000 (DM 4.995,--) die CD-Authoring Software "Impression CD-Pro" von Minerva beiliegt, können auf der DVD1000 (Einführungspreis DM 17.000, danach ca. DM 20.000) mit "Impression DVD" aus demselben Hause auch DVD-Projekte erstellt werden, die sich auf eine DVD-R brennen oder ein DLT-Tape speichern lassen. Ansonsten liegt beiden Paketen die Schnittsoftware Adobe Premiere RT 5.1, Pinnacles Programm TitleDeko zur Vertitelung, die Effektsoftware Video SpiceRack von Pixélan und Sonic Foundrys Acid Music-Software. Für DM 2.500,-- ist optional eine 1394-Hardware mit DV-Eingängen für beide Versionen erhältlich.
Nach der Übernahme von Truevision hat Pinnacle weltweit die Preise für Targa-Boards um bis zu 40 Prozent gesenkt. Außerdem sind sie die ersten Steckkarten, die von Apple zur Benutzung mit dem neue Schnittprogramm Final Cut Pro freigegeben wurden (Test in diesem Heft).

Raum ist in der kleinsten Ente: Media 100s RFE-Schnittsystem am Dreh vor Ort einsatzbereit.
Zuversicht strahlte ebenfalls die Mannschaft von Media 100 aus. Nicht nur, weil mit Finish der Sprung von der Mac- auf die Windows NT-Plattform geglückt ist, sondern auch, weil nach dem Wiedererstarken von Apple die Nachfrage gerade nach Macintosh-Produkten wieder spürbar gestiegen ist. In Apples Final Cut Pro (FCP) mag Media 100-Chef John Molinari jedenfalls keinen ernsthaften Wettbewerber sehen: Niemand könne und würde schließlich für den FCP-Preis von 1.000 US-Dollar ein professionelles Editing-Produkt erwarten. Außerdem liefert die Firma ihr Media 100-Schnittsystem jetzt auf Wunsch als "Remote Field Editor" aus, eingebaut in ein Apple PowerBook (Test in Heft 5/99). Unter den strategischen Ankündigungen fanden sich Allianzen mit dem Compositing-Softwarehaus Nothing Real ("Shake") sowie -- logisch -- eine MPEG-2-Partnerschaft mit IBM.

Shake it Baby: Eine ganz eigene Art von Compositing-Software hat die US-Firma Nothing Real mit "Shake" vorgestellt, die in der Video-Version von Media 100 gebundelt wird.
Fast mit InTime Processing
Fast Multimedia aus München, mit seinem Schnittsystem 601 (Test s. CV 6/98) bereits sehr früh im MPEG-2-Markt engagiert, präsentierte dem US-Publikum erstmalig die Optionen 601-Component (für YUV-Komponenten-I/O) und 601-PrintDVD. Mit letzterem kann aus 601 ein DVD-kompatibler Datenstrom ausgespielt, in DVD-Produktionen weiterverwendet oder archiviert werden. Der Preis der Software: DM 3.027,70 inkl. MwSt., lieferbar laut Fast ab Juni. Zudem weist 601 in der Version 1.2 neue Funktionen und eine wesentlich erhöhte Rendering- und damit Arbeitsgeschwindigkeit auf; laut Fast läuft die Effektberechnung jetzt bis zu 42 Prozent schneller.
Im Hinterzimmer wartete Fast gar mit einer nagelneuen Hardware-Beschleunigerkarte für seine Schnittsoftware FAST-Studio auf. Das Prinzip: Ganz nach Wunsch und Geldbeutel werden auf einem PCI-Board Prozessoren in Reihe geschaltet (und bei Bedarf mehrere solcher CPU-Boards), um quasi jeden Berechnungsvorgang innerhalb von FAST-Studio nach Belieben zu beschleunigen: Effekte, Filter, Transitions usw. Dazu gehören sämtliche Plug-Ins: So hat Artel Software bereits angekündigt, das Konzept in einer künftigen Version seiner Effekt-Software Boris FX zu unterstützen. Fast hat diesem Konzept den Namen "InTime Processing" gegeben -- die Berechnungsergebnisse sollen dem Editor genau dann zur Verfügung stehen, wenn er sie braucht. Mit den InTime-Boards kann soll jedes Produkt beschleunigt werden können, das FAST-Studio verwendet. Über Preise und Verfügbarkeit wurde vorerst nichts bekannt.
Ferner hat sich etwas in Sachen "blue." getan. Zwar soll das Schnittsystem laut Fast erst im Frühjahr 2000 ausgeliefert werden. Mit Sony vereinbarten die Münchener jedoch schon mal die Lizensierung des Original Sony MPEG-2 Encoder-Modules (4:2:2P@ML). Das soll eine 100prozentige Datenkompatibilität zwischen blue. und Sonys BetacamSX-Schiene gewährleisten. Als Transportweg kommt dabei die neue SDTI-CP-Schnittstelle zum Einsatz.