Photokina
2002:
Her mit den kleinen Superkombis!
Megapixel-Auflösung hat schon wieder ausgedient: Sonys MicroMV FotoCam kommt mit 2 Megapixeln, Panasonics 3-Chip DV-Kamera gar mit 3 Megapixeln
Von Roland Schäfer
Sie wirft ihre Schatten voraus, die größte Bildermesse der Welt, unübersehbar, gleichsam monolithisch: Auf die Photokina werden alle zwei Jahre die Launchpläne der großen Hersteller abgestimmt, hier werden die Trends der Imaging-Branche geboren, gefeiert und begraben, hier werden die Millionendeals zementiert. Und gar mancher Augur rührt im Kaffeesatz der persönlichen Gespräche und beiläufigen Beobachtungen auf der Messe, um aus dem Verlauf die Stimmung fürs Jahresendgeschäft vorherzusagen: Bleibts vorerst bei der Rezession, oder kommt er nun endlich, der Aufschwung?
Drei Tage nach der Bundestagswahl öffnet die Photokina ihre Pforten, und unabhängig davon, obs nun ein "Schwarzer" wird oder ein "Roter" bleibt, werden 160.000 oder mehr Besucher hindurchströmen auf der Suche nach Schnäppchen, Shows und schönen Schätzen, die den Beruf noch effizienter oder das Hobby noch ergiebiger gestalten. Drei Schwerpunkte wurden diesmal geschaffen: "Consumer Photo Video Imaging" belegt die Hallen 1 bis 8 und 11, "Professional Photo & Imaging" wird in den Hallen 9 und 10 konzentriert und die "Professional Media/Infocomm Europe" in Halle 14. Insgesamt steht eine um rund 20.000 qm vergrößerte Hallenfläche von 220.000 qm zur Verfügung. Zwar ist die Photokina demnach zunächst einmal die Weltmesse des Standbildes, sprich: Die digitale Fotografie steht bei Ausstellern wie Besuchern ganz oben auf der Prioritätenliste. Doch eine durchaus potente Ausstellergruppe entstammt der Videobranche, und sie hält der Kölner Messe auch in Zeiten zusammengeschnurrter Marketingbudgets die Treue.
Da wäre zunächst die Gruppe der Mischkonzerne meist japanischer Provenienz zu nennen, die neben Digitalfoto, Scannern und Projektoren ihre neuesten MiniDV- und andere Digital-Camcorder im Gepäck haben. Als einziger Totalausfall in der Consumer-Viererbande ist diesmal JVC zu nennen, das auf eine Teilnahme in Köln verzichtet. Ob die Verona-Kampagne budgetmäßig aus dem Ruder gelaufen ist oder übergeordnete Gründe entscheidend waren, ist nicht bekannt neue DV-Camcorder hätte JVC jedenfalls zuhauf zu präsentieren gehabt. So teilen sich Sony, Panasonic und Canon die Besucherbeute. Und lassen sich nicht lumpen mit sensationellen Neuvorstellungen.
Sony: MicroMV-Designerbabe
Vor einem Jahr stellte Branchenprimus Sony auf der IFA MicroMV vor, ein neues, digitales Winz-Format (die Cassette ist 70% kleiner als bei MiniDV) basierend auf MPEG-2; zur CeBIT folgten weitere Modelle. Nun tritt MicroMV in die nächste Dimension ein, und die heißt 2 Megapixel Fotoauflösung. Noch nie gabs bei einem Camcorder eine derart hohe Auflösung aus nur einem CCD-Chip. Das erste Modell ist die DCR-IP220; das "IP" steht für "Image Portal", denn die IP220 kann wie ihre Vorgängerinnen drahtlos via Bluetooth ins Internet gehen sowie Emails empfangen und versenden (ein bluetooth-fähiges Handy oder einen Adapter vorausgesetzt).
Die Neue kommt auf 530 Linien Horizontalauflösung und eine Fotoauflösung von maximal 1.600 x 1.200 (2,1 Megapixel, UXGA). Was Filmer besonders freuen wird: Sony hat nicht am Objektiv gespart und der IP220 ein mehrfachvergütetes Carl Zeiss VarioSonnar T*-Objektiv spendiert: Die hohe Leistung beginnt nicht erst beim Chip, sondern schon davor. Sie hat einen 10x Optikzoom (120x digital) mit manuellem Zoom-/Fokusring, elektronische Schärfekorrektur mit Laser-Auto-Fokus sowie Sonys SuperNight Shot, mit dem sich selbst in stockfinsterer Nacht (0 Lux) noch via Infrarot filmen läßt. Hinzu kommen: NightFraming im Fotobetrieb, mit dem sich bei Schwachlicht noch helle, farbige Bilder schießen lassen; ein intelligenter Ausklapp-Blitz; i.Link-Schnittstelle (MicroMV In/ Out), Webcam über USB; MemoryStick; Sonys Schnittsoftware MovieMaker sowie erstmalig ein schwenkbarer LCD-Touchscreen (2,5 Zoll), der nicht seitlich, sondern hinten am Camcorder angebracht ist. Soviel Leistung hat ihren Preis: 2.400 Euro muß berappen, wer die DCR-IP220 ab Oktober mit nach Hause nehmen will. In den USA bietet Sony für Cutter ein optionales Schnittpaket für etwa 100 Dollar an, darin u.a. ein neues Schnittprogramm namens EZ Editor und Pinnacles Studio 8SE-Software obs auch nach Europa kommen wird?
Panasonic: 3-MPix-Dreichipper
In einer ganz anderen Kategorie, bei den Dreichip-Camcordern, kommt ein Messe-Highlight zweifelsohne von Panasonic. Rasend schnell nach der soeben erst vorgestellten NV-MX350 (s. Test im Heft) macht sich Panasonic selbst Konkurrenz und stellt mit der NV-MX500 ein vollkommen neu entwickeltes Modell mit sagenhaften 3 Megapixeln Fotoauflösung vor (drei 1/6-Zoll-CCDs mit je 800.000 Pixeln). Bis zu 2.048 x 1.496 Pixel sind die Bilder groß neuer Rekord für einen Camcorder. Das mehrfachvergütete Leica Dicomar-Objektiv mit optischem Bildstabilisator und 10x-Zoom hat einen 3,5-Zoll-LCD-Bildschirm, Aufklapp-Blitz, SD-Card-Schacht und Bluetooth eingebaut und doubelt somit als Webcam. Für DV- und Analog-Signale gibts Ein- und Ausgang, zudem die USB-Schnittstelle und eine Kabel-Fernbedienung. Praktisch: Die Funktionen für Fokus und Weißabgleich sind nicht im Menü versteckt, sondern als Tasten an der linken Gehäuseseite ausgeführt; sie lassen sich automatisch und manuell einstellen. Zahlreiche Digitaleffekte und Menü-Möglichkeiten runden das neue Flaggschiff ab. Als Preis sind 2.300 Euro im Gespräch, ausgeliefert wird ebenfalls ab Oktober.
Canon: Direktdruck ohne Rechner
Tief in die Entwickler-Trickkiste gegriffen hat auch Canon. Herausgekommen ist für die neue MVX2i die Nachfolgerin der MVX1 ein neuer Bildprozessor, der die Bilddaten im Video- und im Standbildmodus nach unterschiedlichen Parametern auswertet, was die Digitalfoto-Farbreproduktion im Camcorder optimiert. Ein 1,33 Megapixel-CCD-Bildsensor, ein 10fach-Zoom mit optischem Bildstabilisator, neue PC- und Netzwerkkompatibilität, ein intelligenter Blitz und ein 200.000 Pixel-Display stecken in einem ergonomisch gestalteten Super-Kompakt-Gehäuse. Die Progressive-Fotofunktion auf SD-Card (bis 1.200 x 960 Pixel Auflösung) unterstützt den Exif 2.2-Standard zur Bilddatenformat-Übertragung, wodurch sich Fotos ohne den Umweg über den Computer direkt auf Canon Fotodrucker mit Direct Print Modus ausdrucken lassen; alternativ gelangen sie über USB in den Rechner. Weitere Features sind das Live- und On Demand-Streaming via FireWire, der Analog/Digital-Konverter, DV-In/Out sowie eine integrierte Videoleuchte für Nachtaufnahmen. Für 1.799 Euro kommt die MVX2i noch im September in den Handel. Über Canons zweites Highlight, den Dreichipper XM2, finden Sie bereits einen Vergleichstest in diesem Heft.
Editing
In der zweiten Gruppe der Video-Aussteller geben sich Firmen wie Avid, Canopus, Comline, Como, Dazzle Europe, Edirol, Exsys, Fast TV Server AG, MainConcept, Matrox Video, Pinnacle Systems und Roxio ein Stelldichein in Halle 11.1. Sie alle haben Neuheiten im Gepäck, die wir auf den Newsseiten dieses Heftes zusammengetragen haben. Weitere relevante Aussteller samt Hallen- und Standnummern finden Sie hier oder in der Aussteller-Suchmaschine unter www.photokina.de.